Cuernavaca
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Cuernavaca
im Distrikt Morelos, Mexiko

"Stadt des ewigen Frühlings"

Touristenkarte 146 KB oder in  756 KB

Die Azteken haben die Stadt "Cuauhnahuac" genannt, was soviel wie "nahe beim Wald" bedeutet. Heute ist diese herrliche, widersprüchliche und exotische Stadt in Mexiko unter dem Namen Cuernavaca bekannt. Eine Stadt, die Eindrücke unterschiedlichster Art hinterlässt. Eine sehr lebendige Stadt, sei es durch die Menschen, den Verkehr oder das Nachtleben. 

Cuernavaca ist auch eine Stadt der Gegensätze. Hier gibt es Wohlstand und Armut nebeneinander, miteinander vielleicht auch gegeneinander. Eigentlich wie in ganz Mexiko, relativ betrachtet und prozentual verschoben. Ich hoffe, ich kann dem Leser diese Stadt etwas näher bringen. Allerdings kommt man um einen Besuch nicht umhin, um sich vor Ort von der Stadt und den Menschen verzaubern zu lassen. 

Beatriz und ich in TepoztlánBevor ich jedoch mehr über die Stadt, Land, Menschen und insbesondere meine Eindrücke schreibe, möchte ich erst einmal Danke sagen...  Ich sitze beim Schreiben dieser Zeilen im Garten der Familie Garcia Urbina in Cuernavaca und fühle mich einfach rundum glücklich. Das liegt unter anderem an der warmen Gastfreundschaft, die ich hier erfahre. Ich fühle mich mehr als Mitglied der Familie, denn als Gast. Dafür möchte ich, auch im Nachhinein beim Überarbeiten der Seiten, DANKE sagen. Im Übrigen hat mich die Liebe zur "Tochter des Hauses" (Beatriz alias Jenny, die zwei Jahre in Deutschland lebte und dann dort keine weitere Arbeitserlaubnis bekam...) erstmals nach Mexiko gezogen. Diese Partnerschaft ist zu Ende, doch die Freundschaft besteht immer noch :-)

 

 

 

 

 

 

 

 

 

<< Es ist wohl die Vertrautheit, die man hier schnell zu den Menschen aufbaut, die menschliche und klimatische Wärme, der Geruch, die Lebensphilosophie und vieles mehr, was einen in Cuernavaca halten kann... Meine Augen schweifen gerade durch den Garten, es ist wunderschön hier. Eine Idylle, die unbeschreiblich ist. Das tiefe Grün der Pflanzen, der Rasen, die Palmen, das Haus, der Pool, die Sonne, das angenehme Klima - herrlich. Ich überlege gerade wie man die Stadt beschreiben kann... Eben gleitet ein riesiger ein riesiger Schmetterling an mir vorbei, beeindruckend. Es ist nicht der erste, dieser hat jedoch Flügel, die größer als meine Handflächen sind. Es ist wunderschön hier zu sitzen, zu schreiben und einfach nur zu genießen. >>

 

Auf der Fahrt von Mexiko-City nach Cuernavaca, legt man einen beträchtlichen Höhenunterschied zurück.  Es geht in einer Stunde ca. 700 m tiefer in eine andere Klimazone. Beim Einfahrt in die Stadt erkennt man schon den mondänen Charakter der Stadt, allerdings erkennt man ebenso, dass natürlich auch hier Armut herrscht. "Flache Dächer und viel Werbung", das war der Eindruck, der mir von meiner ersten Reise (Ankunft in der Nacht) haften geblieben ist. Dieser Eindruck herrschte aber nicht lange vor, denn er wurde durch andere Bilder überlagert.

Bei meiner ersten Reise nach Cuernavaca habe ich auf dem Busbahnhof die Menschen beobachtet und einfach mal die Stimmung aufgenommen. Auf den beiden Fernsehern, die an der Decke hingen, lief ein Fußballspiel. Fast alle Anwesenden fieberten mit ihren Favoriten mit. Ich habe viele Mexikaner "indianischer" Abstammung gesehen... fahren alle anderen mit Autos oder Taxis und nicht mit dem Bus?! Gibt es hier diesen pauschalen Klassenunterschied? Diese Fragen stellten sich mir im Laufe der ersten Tage. Wichtig ist übrigens, darauf hinzuweisen, dass man anstelle des diskriminierenden Wortes "Indio" besser die Bezeichnung "Indígena" verwendet, was soviel wie "Ureinwohner" bedeutet. Wenn man das Taxi benutzt, sollte man sich darauf einstellen, das der Taxifahrer nur Spanisch spricht.  Ferner sollte man vor der Fahrt den Preis aushandeln, dass der Fremde natürlich mehr zahlen muss als der Einheimische ist klar, aber man sollte dem Taxifahrer doch nicht allzu freie Hand lassen.

Diese Stadt bietet ein differenziertes Bild. Sei es das Industrieviertel, welches zum Teil internationale (auch deutsche) und hochmoderne Unternehmen birgt, oder im Gegensatz dazu das Zentrum. Seien es die Plätze und Märkte, die am Tag von Indígenas beherrscht werden oder die Bars und Diskotheken, die vom (nur optisch?!) europäischen Typ beherrscht werden. Das Bild das Cuernavaca einem am Tag bietet... typische Autos, Trucks, Überlandbusse auf Straßen, die zum großen Teil Top-ausgebaut sind sowie auf unbefestigten "Seitenstraßen"... an den Straßen Markstände, Restaurants, viele Indìgenas, Kinder die an Ampeln Vorstellungen geben in der Hoffnung, ein paar Pesos zu erhalten. Die Wohnhäuser und Gebäude in der Stadt und Umgebung, anders gebaut als in Deutschland, zum großen Teil einfach gehalten und zum Teil faszinierend schön. Man sagt, dass auf die Einwohnerzahl gerechnet, Cuernavaca die Stadt mit den meisten Pools der Welt wäre. Daneben ist der Stadtpark, aufgrund des mexikanischem Eigentumsrecht, in ein Slum verwandelt worden, da sich "Besitzlose" einfach dort niedergelassen haben. Chaotischer... Ja und Nein, vor allen Dingen anders.

<< Wir sind also um 7.30 Uhr aufgebrochen. Auf den Straßen herrscht reges Treiben. Der Verkehr in der Industriezone ist recht stark.  An den Straßen sind viele Leute, die auf dem Weg zu ihrer Arbeit sind, sich im Straßencafe treffen oder vielleicht schon ihre erste Pause hinter sich haben. Es ist ein buntes Bild, das schwer zu beschreiben ist. Die Indígenas beherrschen das Geschehen an den Bürgersteigen und an den Straßenrändern, in Arbeitskleidung meist. Manche Mexikaner fallen jedoch auf, weil sie sich sehr gepflegt kleiden und auf Busse warten, die sie wohl zu ihrem Bürojob fahren. Auch die Armut scheint wieder durch... oder dominiert sie? Das ist schwer zu sagen und schwer zu erkennen. Eine pauschale Aussage wäre unpassend, es ist einfach ein sehr gemischtes Bild! Angekommen... alleine schon die Straße zur Firma Würth ist sehenswert. Bestimmt nicht für Mexikaner, aber für mich. Nicht sehenswert schön, doch auch hier stechen die Gegensätze hervor und prägen das komplexe Bild des Landes.

 Eine, nein, mehrere hochmoderne Firmen (Anm.: welche auf dem Foto leider nicht zu sehen sind), eine unbefestigte Straße, die in der Regenzeit bestimmt die Schuhe der Angestellten ruiniert, der Straßenverkauf von Essen in abenteuerlich anmutenden mobilen Öfen. Alte Lkws, die von ihrem Äußeren auf bedrohlich wirkende Fahrer schließen lassen, Leute die nicht gepflegt erscheinen (warum auch immer) und Leute, die auffallend gut gekleidet und gepflegt wirken. Zwei Straßenrestaurants, die dem Besucher eine gewisse Leichtsinnigkeit abverlangen... ein vielfältiges Bild, dass sich einem bietet. 
Nach einigen Minuten hat mich das Wachpersonal hereingebeten. Der erste Eindruck von der Niederlassung bestätigt sich, eine modern eingerichtete Firma, ein ansprechender Empfangsraum mit dem Bild des Mutterkonzerns aus dem vertrauten Deutschland und... eine Mitarbeiterin, auf die diese Firma stolz sein kann. Die Blumen, die Beatriz an ihrem Arbeitsplatz aufgestellt hat, lassen den Raum direkt schon viel freundlicher aussehen. So können kleine Dinge eine große Wirkung haben. >>

 Nüchterner betrachtet ist Cuernavaca Wohnort für ca. 800.000 Menschen. Trotzdem ist die Stadt noch sehr übersichtlich. Sie liegt 1542 m hoch, hat ein subtropisches mildes Klima und ist ein kosmopolitisches Paradies im Herzen Zentralmexikos. Nur etwa eine Autostunde südlich von Mexiko-City (Karte) gelegen, spiegeln sich in ihr eine Vielzahl von Einflüssen wieder, von der traditionsreichen indianischen Kultur bis zur Avantgarde der modernen Kunst.

Seit der Zeit der aztekischen Eroberer ist Cuernavaca ein Refugium und Erholungsort für viele, die die angenehme Jahresdurchschnittstemperatur von 21°C genießen wollen. Heute wird Cuernavaca von vielen Urlaubern aus der ganzen Welt besucht. Einige Besucher sind auf der Spur fast vergessener Völker, andere Touristen suchen in Cuernavaca lediglich Ruhe und Erholung. Daneben ist Cuernavaca die bedeutendste Stadt im Bereich Sprachschulen. Nach dem Lernen fällt es leicht, die Seele in den herrlichen Gärten und südländisch anmutenden Cafés baumeln zu lassen, solange man nicht gerade im dichten Verkehr steckt. Abseits der betriebsamen Strassen und des belebten Zentrums der Stadt, dem Zócalo, findest man aber auch ruhige Plätzchen mit tropischen Gärten.

Die vielbeschriebene Idylle Cuernavacas muss der Ortsundkundige also manchmal erst suchen und zum Teil findet man diese Idylle auch zuerst mal außerhalb der Innenstadt, wenn man zu Gast bei einigen Freunden ist. Cuernavaca bietet, auch für mexikanische Verhältnisse, einen ganz eigene Atmosphäre, die auch stark durch die vielen Ausländer geprägt ist, welche in Cuernavaca ihre Wahlheimat gefunden haben. Denn wenn man dem Zauber der Stadt begegnet, zieht es einen immer wieder - oder auch für immer - an diesen Ort. Eine pulsierende und beschauliche Stadt, die mit ihrer Geschichte, ihren Plätzen, der üppigen Vegetation, ansprechende Bauten im Kolonialstil, Märkten, den ausgesprochen freundlichen und aufgeschlossenen Menschen, den hochmodernen Discotheken und dem pulsierendem Nachtleben, den gepflegten Bars und Restaurants, den modernen Kinos, dem Instituto de Bellas Artes,  der Kathedrale, der Teopanzolco-Pyramide, den Borda-Gärten oder dem Cortez Palast mit schönen Wandmalereien des unvergessenen Diego Rivera etwas ganz Persönliches und zugleich etwas Verzauberndes bietet... also Vorsicht, nicht dass auch ihr dem Zauber von Cuernavaca erliegt. 

Auszug aus: MEXIKO von Christian Heeb und Sigrid Diechtl

Im <<Land des ewigen Frühlings>>

Südlich der Metropole (Anm.: Mexiko-Stadt) liegt das << Land des ewigen Frühlings >>, dessen Gartenstadt Cuernavaca mit ihrer landschaftlichen Schönheit und ihrem angenehmen Klima schon seit vorspanischen Zeiten die unterschiedlichsten Besucher anlockt. Aztekenkaiser errichteten dort ihre extrem luxuriösen Sommerresidenzen, und Staatsmänner, Politiker und Industriekapitäne haben es ihnen nachgemacht. In Cuernavaca kann man den schon 1530 begonnenen Palast von Cortés ebenso besichtigen wie das Haus, in dem Kaiser Maximilian sich heimlich mit seiner indianischen Freundin traf. In den letzten Jahrzehnten haben sich dort neben Staatsoberhäuptern auch mexikanische und international Künstler, pensionierte US-Amerikaner und reiche Hauptstädter angesiedelt, so dass die Stadt an Wochenenden aus allen Nähten platzt. Aber spätestens wenn man durch die Borda-Gärten spaziert, wird man einen Hauch jener friedlichen Atmosphäre spüren, die Malcolm Lowry in seinem berühmten Roman <<Unter dem Vulkan>> (1947) so anschaulich beschrieben hat.

 

 

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