Geschichte
bis 1900
Das Gebiet rings um die Hauptstadt war seit altertümlicher Zeit dicht besiedelt. An der Stelle des heutigen Zentrums der Hauptstadt erhob sich bis vor 300 Jahren ein Seensystem rings um den gewaltigen Texcoco-See, an dessen Ufer verschiedene Städte entstanden. 1325 gründete die Volksgruppe der Méxica (oder Azteken) auf einigen Inseln des Texcoco-Sees eine eigene Stadt, Tenochtitlan. Der Ort wuchs rasch heran, nicht zuletzt aufgrund der Eroberungen der Azteken. Bei Ankunft der spanischen Konquistadoren war Tenochtitlan Zentrum eines weitverzweigten Imperiums. Die Inselstadt war durch mehrere Dämme mit dem Festland und Ufersiedlungen verbunden. In Nachbarschaft hatten aztekische Siedler die Zwillingsstadt Tlaltelolco gegründet. Die Invasion der Spanier 1521 hatte die völlige Zerstörung der Stadt zur Folge. Auf den Trümmern entstand ab 1522 das neue "Mexiko-Stadt": Tempel und Paläste wurden geschleift. Die Zerstörung der Dämme während der Belagerung hatte regelmäßige Überschwemmungen der Stadt zur Folge, Austrocknungspläne wurden daher immer wieder aufgegriffen, wenngleich nur langsam umgesetzt. Gleichwohl war um 1800 der gesamte westliche Bereich des Sees ausgetrocknet und mit Grünflächen und Neuansiedlungen überzogen. Der weitaus größere Ostteil des Sees wurde erst nach 1900 systematisch ausgetrocknet, auf seinem Grund entstanden weitläufige neue Ansiedlungen. Mexiko-Stadt erreichte erst gegen 1800 die alte Einwohnerzeit der Aztekenära. Sie war Verwaltungszentrum des nach 1525 geschaffenen Vizekönigreichs Neu-Spanien mit zahlreichen Palästen und prachtvoll ausgeschmückten Kirchen. Der Warentransport erfolgte noch vielfach auf Wasserkanälen, die die Stadt mit den Resten des einstigen Seensystems verbanden. Die betuchteren Einwohnerschichten flanierten anfänglich entlang des Chalco-Kanals, später auf der Avenida de Bucareli im Westen der Stadt. Weitausgedehnte Landsitze lagen westlich der Hauptstadt in Vororten wie Tacuba und Tacubaya. In Mitleidenschaft gezogen wurde die Stadt nicht nur durch Überschwemmungen und Erdbeben: 1847-48 besetzten amerikanische Invasionstruppen die Hauptstadt nach einer Reihe von Gefechten im Süden des heutigen Bundesdistrikts. Zwischen 1863 und 1867 nahmen französische Besatzungsarmeen ihren Platz in Mexiko-Stadt ein. Im Bürgerkrieg 1910-1920 wechselte die Stadt mehrfach den Besitzer. Geschichte ab 1900 Eine größere Ausdehnung erfuhr die Stadt unter dem "Porfiriato", der Diktatur Porfirio Diaz nach 1877. Um 1900 entstanden bürgerliche "Colonias" durch private Investoren westlich des Altstadtzentrums, prächtige und breite Boulevards mit Gründerzeitvillen und breiten Parkanlagen (Viertel Condesa, Roma, Juarez, Escandón, Santa Maria la Ribera). Die Bautätigkeit wurde durch die Revolutionswirren unterbrochen. Ab 1920 begann die Stadt erneut zu wachsen. Eine 40 km lange Nord-Süd-Verbindung (Insurgentes) erschloss das Gebiet im Südwesten des Bundesdistrikts, die dortigen Gemeinden wie San Ángel, Tacubaya und Mixcoac wurden durch Neubaugebiete wie der Colonia del Valle verbunden. Kulturell erfuhr die Stadt einen Aufschwung, die Wandgemälde der Muralistas begannen öffentliche Bauten zu zieren. In den fünfziger Jahren entstanden das Universitätsviertel ("Ciudad Universitaria") und die Fachschule IPN ("Instituto Politécnico Nacional"). Das Museo Nacional de Antropología konzentrierte die vorhispanischen Relikte auf einen Platz. Die Hauptstadt war 1968 Austragungsort der Olympischen Spiele. Einher ging damit spätestens 1950 erfuhr die Stadt eine erhebliche Bevölkerungszunahme im Verein mit einer wachsenden Zahl sich ansiedelnder Industrien. Im Norden entstanden gewaltige Arbeiterviertel (Nonoalco-Tlaltelolco) und Industrieparks (Vallejo). Der Osten erfuhr nach 1960 eine massive Urbanisierung auf dem größtenteils instabilen Grund des einstigen Texcoco-Sees. Im Süden schließlich wurden die alten Kolonialstädte von Coyoacan, Tlalpan und Xochimilco durch die Urbanisierungswelle mit neuen Vororten umschlossen. Außerhalb der Stadtgrenzen entstanden neue Siedlungen wie Ciudad Nezahualcoyotl und Ciudad Satélite. Neue Verkehrswege waren bei dieser raschen Ausdehnung unausweichlich. Bereits in den fünfziger Jahren war der Periférico, eine Ringautobahn, in Betrieb. Noch vorhandene Wasserläufe wurden in unterirdische Röhren gezwungen, die Flussbetten in Schnellstraßen (Circuito Interior, Viaducto) umgewandelt. Ein U-Bahn-Netz fraß sich ab 1968 durch den Untergrund. Die Urbanisierung überschritt die einstige Stadtgrenze, Mexiko-Stadt wuchs mit den sich ebenfalls ausdehnenden Grenzgemeinden des Estado de México zusammen. Der heutige Metropolraum brachte das einstige ökologische Gleichgewicht endgültig zum Kippen: Mexiko-Stadt leidet heute nicht nur unter Überbevölkerung, sondern auch massiver Luftverschmutzung, Wasserknappheit und instabilem Baugrund. Ein Erdbeben forderte 1985 über 20.000 Menschenleben - u.a. aufgrund mangelhafter Bauten. Der unkontrollierte Zuzug hat weite Flächen des Bundesdistrikts mit illegalen, später nach und nach legalisierten Vorortansiedlungen versiegelt, in denen die Infrastruktur nur unzureichend vorhanden ist. Die sozialen Spannungen haben insbesondere seit der Wirtschaftskrise der achtziger Jahre im Verbund mit einer wachsenden Kriminalität und Korruption zugenommen. Ganze Viertel sind verarmt und faktisch der Kontrolle der Staatsgewalt entglitten. Bürgerliche Neubauviertel der Besserverdienenden nehmen den Charakter von Festungen an. __________ |