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Zeittafel
und Götter
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| Xipe Totec Eine außergewöhnliche Gestalt des aztekischen Pantheons ist Xipe Totec, „Unser Herr, der Geschundene”, Gott des Frühlings und Patron der Goldschmiede. Während des 20-tägigen Tlacaxipehualiztli-Festes zu seinen Ehren schmückten Goldschmiede die Priester des Gottes mit roten Löffelreiher-Federn und goldenem Schmuck. In seinem Tempel erhielt er auch Opfergaben von Menschen, die Wunderheilungen suchten. Den Kult um Xipe Totec gab es allerdings schon lange vor den Azteken. Die aufwendigen Zeremonien zu Ehren des Gottes wirken grausam, da sie mit der Tötung und Häutung menschlicher Opfer einhergingen. Die abgezogene Haut kam in ein Keramikgefäß, dessen Verzierung die Fettkügelchen auf der Innenseite von Haut plastisch darstellte. Dann wurde die Haut von einem Priester als Stellvertreter Xipe Totecs übergestreift, oder man zog sie einer Skulptur des Gottes über. Manche Figuren zeigen einen Einschnitt an der Stelle, wo vor dem Schinden das Herz herausgenommen worden war. Zur Zeit der spanischen Eroberung fiel das Fest der Vegetationsgottheit Xipe Totec in den Frühling, in unseren Monat März. Die Erneuerung des agrarischen Zyklus in dieser Zeit offenbart sich in den frischen Trieben, die aus den verrotteten Hüllen der alten Pflanzen hervorsprießen. Entsprechend erneuerte sich Xipe Totec: ein Priester zog an seiner statt eine menschliche Haut über und trug sie, bis sie verrottet war, um schließlich als junger Erwachsener wieder daraus hervorzutreten. Die zahlreichen erhaltenen Abbilder von Xipe Totec belegen seine große Bedeutung. Die Riten zu seinen Ehren waren keine Verherrlichung des Todes, sondern dienten der Wiedergeburt und Erneuerung. Sie erinnern an die aztekische Faszination der sich häutenden Schlange: eine Huldigung an die Keimung und das Auftauchen der Sprossen aus scheinbar lebloser Erde. Quetzalcoatl - Ehecatl Besondere Verehrung
unter den Tieren genoss die Schlange. Als Tier, das sich im Wasser und
auf dem Land bewegt, galt sie als Wanderer zwischen der Unterwelt Mictlan
und der Menschenwelt. Aus der Kombination von Federn mit einer (Klapper-)
Schlange entstand das mythische Wesen Quetzalcoatl („gefiederte
Schlange”) - eine Schlange, die fliegen konnte. Quetzalcoatl-Ehecatl war Patron des Tages „Wind”, des zweiten von zwanzig Tageszeichen im 260-tägigen Ritualkalender. In den Mythen von der Erschaffung der Welt spielt er eine zentrale Rolle als Schöpfergott und Kulturbringer. Im Kontext der Erschaffung von Erde und Himmel rettete er zusammen mit Tezcatlipoca („Rauchender Spiegel”), einem vielfältigen und mächtigen Gott, die Knochen der Menschen aus der Unterwelt und schuf dadurch die gegenwärtige Menschheit. Götter Die Religion bestimmte
das tägliche Leben der Azteken. Die zahlreichen Götter wurden
sowohl in großen öffentlichen Zeremonien als auch in häuslichen
Ritualen verehrt. Die Azteken sahen Göttliches in allen Dingen und
kannten Gottheiten für alle Aspekte des Lebens. Die beliebte Göttin
Chalchiuhtlicue wird meist als kniende oder sitzende junge Frau mit geflochtenem
Haar und einer Halskette dargestellt (Kat. Nr. 120, 122 und 123). Ihr
Name bedeutet „Die mit dem Jaderock”. Jade war ein kostbares
Material voller symbolischer Bezüge, vor allem zu Wasser. Als Göttin
der Seen und fließenden Gewässer war Chalchiuhtlicue eng mit
der Fruchtbarkeit der Feldfrüchte verbunden und gilt als weibliches
Gegenstück zu Tlaloc, dem Regengott. Tlaloc war, wie etliche Götter,
von früheren Kulturen übernommen worden. Der Regengott gehört
zu den in ganz Mesoamerika verehrten Gottheiten. Mit seinen Glotzaugen
und den langen Reißzähnen ist er unverwechselbar (Kat. Nr.
112 und 113). Augen und Nase werden manchmal durch zwei ineinander verschlungene
Schlangen dargestellt. Regen war die Voraussetzung für den Anbau
von Mais, des Grundnahrungsmittels der Azteken. Chicomecoatl, die Maisgöttin,
wird häufig mit reifen Maiskolben in den Händen und kunstvollem
Kopfschmuck dargestellt. Der Kopfputz stellt einen Tempel dar; hergestellt
wurde er aus leuchtend gefärbtem amatl-Papier aus der Rinde eines
Feigenbaums. Götter der Nacht Das aztekische Universum
bestand aus drei übereinander angeordneten Ebenen: aus Topan (der
Oberwelt), der von den Menschen bewohnten Welt (Cemanahuatl) und Mictlan
(der Unterwelt). Mictlan, über das der Herr des Totenreiches Mictlantecuhtli
gebot, war ein gefährlicher Ort voller schwieriger Prüfungen.
Der Jaguar als Verkörperung der Nachtsonne musste dort Kämpfe
ausfechten, um jeden Tag von neuem geboren zu werden. Mictlantecuhtli
wird für gewöhnlich als Furcht einflößende Erscheinung
mit einem Totenschädel, aber intakten Augen dargestellt. Sie symbolisieren,
seiner Skelettgestalt zum Trotz, das Leben im Tode.
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