Hochkulturen
Mayas
Tolteken
Azteken
Zeittafel und Götter

  DIE MAYAS & DIE AZTEKEN
ca. 1400 v. Chr.
Die Olmeken bauen Mais an.
1000 - 800 v. Chr.
Die Maya besiedeln die Halbinsel Yucatán.
ca. 800 v. Chr.
Ursprung der Schrift der Zapoteken
ca. 836 n. Chr.
Die älteste kalendarische Inschriftstammt aus diesem Jahr.
ca. 150 n. Chr.
Bau der Sonnenpyramide in Teotihuacán
411-457
Tikal ist die größte Stadt der Maya in Petén.
ca. 750
Die Stadt Teotihuacán wirdvon Unbekannten zerstört.
799-889
Die Maya-Stätten im Tiefland von Peténverfallen und werden aufgegeben.
ca. 900
Die Tolteken gründeten die Stadt Tula.
987
Eine Gruppe der Tolteken erobert Chichén Itzá
1168
Tula wird zerstört; das Toltekenreich geht unter.
ca. 1200-1300
Azteken wandern ins Tal von Mexiko.
1221
Die Tolteken von Chichén Itzá werden von den Mayaunter Hunac Ceel entmachtet.
1325
Im Tal von Mexiko gründen die Aztekendie Stadt Tenochtitlán (Mexico City)
1428-1440
Unter Führung von Itzcóatl gelangtdas Azteken-Reich zur Blüte.
1502-1520
Unter Montezuma II. erreicht das Aztekenreichseine größte Ausdehnung.
1519
Die Spanier unterwerfen die Azteken.
1524-1697
Die Spanier unterwerfen die Maya-Städte im Hochland.


Xipe Totec

Eine außergewöhnliche Gestalt des aztekischen Pantheons ist Xipe Totec, „Unser Herr, der Geschundene”, Gott des Frühlings und Patron der Goldschmiede. Während des 20-tägigen Tlacaxipehualiztli-Festes zu seinen Ehren schmückten Goldschmiede die Priester des Gottes mit roten Löffelreiher-Federn und goldenem Schmuck. In seinem Tempel erhielt er auch Opfergaben von Menschen, die Wunderheilungen suchten. Den Kult um Xipe Totec gab es allerdings schon lange vor den Azteken.

Die aufwendigen Zeremonien zu Ehren des Gottes wirken grausam, da sie mit der Tötung und Häutung menschlicher Opfer einhergingen. Die abgezogene Haut kam in ein Keramikgefäß, dessen Verzierung die Fettkügelchen auf der Innenseite von Haut plastisch darstellte. Dann wurde die Haut von einem Priester als Stellvertreter Xipe Totecs übergestreift, oder man zog sie einer Skulptur des Gottes über. Manche Figuren zeigen einen Einschnitt an der Stelle, wo vor dem Schinden das Herz herausgenommen worden war.

Zur Zeit der spanischen Eroberung fiel das Fest der Vegetationsgottheit Xipe Totec in den Frühling, in unseren Monat März. Die Erneuerung des agrarischen Zyklus in dieser Zeit offenbart sich in den frischen Trieben, die aus den verrotteten Hüllen der alten Pflanzen hervorsprießen. Entsprechend erneuerte sich Xipe Totec: ein Priester zog an seiner statt eine menschliche Haut über und trug sie, bis sie verrottet war, um schließlich als junger Erwachsener wieder daraus hervorzutreten.

Die zahlreichen erhaltenen Abbilder von Xipe Totec belegen seine große Bedeutung.

Die Riten zu seinen Ehren waren keine Verherrlichung des Todes, sondern dienten der Wiedergeburt und Erneuerung. Sie erinnern an die aztekische Faszination der sich häutenden Schlange: eine Huldigung an die Keimung und das Auftauchen der Sprossen aus scheinbar lebloser Erde.

Quetzalcoatl - Ehecatl

Besondere Verehrung unter den Tieren genoss die Schlange. Als Tier, das sich im Wasser und auf dem Land bewegt, galt sie als Wanderer zwischen der Unterwelt Mictlan und der Menschenwelt. Aus der Kombination von Federn mit einer (Klapper-) Schlange entstand das mythische Wesen Quetzalcoatl („gefiederte Schlange”) - eine Schlange, die fliegen konnte.
Quetzalcoatl, der legendäre Priester-Herrscher von Tula, wurde Opfer einer Intrige: Man machte ihn betrunken und zwang ihn, die Stadt zu verlassen. Einige Legenden besagen, er sei zur Halbinsel Yucatan gewandert, wo er die berühmte Maya-Stadt Chichén Itzá gründete. Anderen Erzählungen zufolge verschwand er über dem östlichen Meer (Golf von Mexiko), nachdem er gelobt hatte, einst zurückzukehren, um seine Rechte einzufordern. Als Hernán Cortés im Jahr 1519 von Osten kommend eintraf, sahen manche Azteken darin die Erfüllung von Quetzalcoatls Prophezeiung.
Der Gott Quetzalcoatl ist eine Übernahme aus früheren Kulturen. Wie viele Aztekengötter hat er mehrere Facetten, und er erscheint auch als Windgott Ehecatl. Im allgemeinen wird jeder Aspekt eines Gottes durch ein typisches Emblem charakterisiert. Ehecatls Merkmal ist die auffällige Schnabelmaske vor dem Mund. Damit erzeugte er Wind, als Voraussetzung für die regenbringenden Sturmwolken. Quetzalcoatl ist eindeutig als Federschlange zu erkennen. Charakteristisch ist auch der spiralförmige Meeresschnecken-Halsschmuck. Die Quetzalcoatl-Ehecatl gewidmeten Tempel zeigen die gleiche Spiralform: ein Hinweis auf die Wirbelwinde, die der Regenzeit vorausgehen. Häufig wird Quetzalcoatl-Ehecatl auch als Affe dargestellt, mit typischer Schnabelmaske oder mit Ohr- und Halsschmuck aus Muscheln.

Quetzalcoatl-Ehecatl war Patron des Tages „Wind”, des zweiten von zwanzig Tageszeichen im 260-tägigen Ritualkalender. In den Mythen von der Erschaffung der Welt spielt er eine zentrale Rolle als Schöpfergott und Kulturbringer. Im Kontext der Erschaffung von Erde und Himmel rettete er zusammen mit Tezcatlipoca („Rauchender Spiegel”), einem vielfältigen und mächtigen Gott, die Knochen der Menschen aus der Unterwelt und schuf dadurch die gegenwärtige Menschheit.

Götter

Die Religion bestimmte das tägliche Leben der Azteken. Die zahlreichen Götter wurden sowohl in großen öffentlichen Zeremonien als auch in häuslichen Ritualen verehrt. Die Azteken sahen Göttliches in allen Dingen und kannten Gottheiten für alle Aspekte des Lebens.
Viele Götter wurden in Stein abgebildet, darunter tonnenschwere öffentliche Skulpturen, die von weitem sichtbar die Zeremonialbauten schmückten. Die Mehrzahl der Figuren ist meisterhaft bearbeitet und verrät außergewöhnliche Hingabe ans Detail. Es war üblich, Steinskulpturen mit einer Art Stuck zu überziehen und mit pflanzlichen oder mineralischen Farben zu bemalen.

Die beliebte Göttin Chalchiuhtlicue wird meist als kniende oder sitzende junge Frau mit geflochtenem Haar und einer Halskette dargestellt (Kat. Nr. 120, 122 und 123). Ihr Name bedeutet „Die mit dem Jaderock”. Jade war ein kostbares Material voller symbolischer Bezüge, vor allem zu Wasser. Als Göttin der Seen und fließenden Gewässer war Chalchiuhtlicue eng mit der Fruchtbarkeit der Feldfrüchte verbunden und gilt als weibliches Gegenstück zu Tlaloc, dem Regengott. Tlaloc war, wie etliche Götter, von früheren Kulturen übernommen worden. Der Regengott gehört zu den in ganz Mesoamerika verehrten Gottheiten. Mit seinen Glotzaugen und den langen Reißzähnen ist er unverwechselbar (Kat. Nr. 112 und 113). Augen und Nase werden manchmal durch zwei ineinander verschlungene Schlangen dargestellt. Regen war die Voraussetzung für den Anbau von Mais, des Grundnahrungsmittels der Azteken. Chicomecoatl, die Maisgöttin, wird häufig mit reifen Maiskolben in den Händen und kunstvollem Kopfschmuck dargestellt. Der Kopfputz stellt einen Tempel dar; hergestellt wurde er aus leuchtend gefärbtem amatl-Papier aus der Rinde eines Feigenbaums.
Andere Götter sind realistisch dargestellt, wie etwa Xochipilli, Gott der Blumen und der Poesie. Die Dichtkunst der Azteken, von der wir relativ gute Kenntnis haben, war ein Medium der philosophischen Betrachtung. Aztekische Philosophen suchten Antwort auf die Fragen des Daseins und des Lebens nach dem Tod.

Götter der Nacht

Das aztekische Universum bestand aus drei übereinander angeordneten Ebenen: aus Topan (der Oberwelt), der von den Menschen bewohnten Welt (Cemanahuatl) und Mictlan (der Unterwelt). Mictlan, über das der Herr des Totenreiches Mictlantecuhtli gebot, war ein gefährlicher Ort voller schwieriger Prüfungen. Der Jaguar als Verkörperung der Nachtsonne musste dort Kämpfe ausfechten, um jeden Tag von neuem geboren zu werden. Mictlantecuhtli wird für gewöhnlich als Furcht einflößende Erscheinung mit einem Totenschädel, aber intakten Augen dargestellt. Sie symbolisieren, seiner Skelettgestalt zum Trotz, das Leben im Tode.
Eine Halskette aus menschlichen Herzen und Händen kennzeichnet eine cihuateotl, die auf einem der Erde geweihten, mit Schädeln geschmückten Altar kniet (Kat. Nr. 145). Cihuateteo (Plural von cihuateotl) nannte man die Geister von Frauen, die bei der Geburt eines Kindes gestorben waren. Ihnen erwies man höchste Ehren. Man setzte sie mit gefallenen Kriegern gleich, und wie diese durften siedie Sonne bei ihrer täglichen Reise über den Himmel begleiten. Krieger gaben der Sonne das Geleit, bis sie mittags im Zenit stand. Dann folgten ihr die cihuateteo, bis sie unterging. Man kannte sie auch unter dem Namen tzitzimime, „Gespenster“. Nachts schlichen sie an Wegkreuzungen herum, stahlen die Seelen ungeborener Kinder und verführten Männer zum Ehebruch. Die Nacht war die Zeit Furcht erregender Geschöpfeund galt als gefährlich. Pulque, den man mit der Nacht und den Seelen gefallener oder geopferter Krieger in Verbindung brachte, wurde nach Einbruch der Dunkelheit getrunken.
Die Reise durch Mictlan war voller Gefahren. Xolotl, eine weitere Verkörperung des Quetzalcoatl, wurde als Hund dargestellt (Kat. Nr. 140). Er war der Schutzpatron der Zwillinge und Missbildungen und begleitete Quetzalcoatl in die Unterwelt, um die Knochen der Menschen von dort zurückzuholen. Oft begrub man Bildnisse von Hunden mit den Toten, damit sie sie auf ihrer Reise durch Mictlan führten und beschützten.
Tlaltecuhtli, der „Herr der Erde“, erscheint oft am Fuß von Skulpturen und vermittelt zwischen dem Land der Lebenden und dem der Toten. Er ist das männliche Gegenstück zu Coatlicue, „Die mit dem Schlangenrock“, der Mutter des Schutzpatrons der Azteken, Huitzilopochtli.

 

www.omex.de