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Bernardino de Sahagún

Bernardino de Sahagún (Geb. um 1499 in Sahagún de Campos, Spanien, gest. 23.10.1590 Mexiko-Stadt), Franziskanermönch. Autor der "Historia General de las Cosas de la Nueva España".

Sahagún studierte im Franziskanerkloster von Salamanca, von wo aus er 1529 als Missionar nach Mexiko geschickt wurde. Nach Spanien kehrte er nicht mehr zurück. Ab 1536 lehrte und predigte Sahagún im Colegio de Santa Cruz in Tlaltelolco, hier unterrichtete er die Söhne des aztekischen Adels in Spanisch, Latein, Wissenschaften, Musik und Religion. Dabei erwarb er sich selbst ein umfangreiches Wissen über die Náhuatl und deren Kultur.

Aus dieser täglichen Arbeit heraus entstand dann allmählich eine Geschichte und Beschreibung des Volkes der Azteken sowie ein Wörterbuch ihrer Sprache. Diese Arbeit wurde ab 1558 offiziell im Auftrag der spanischen Vorgesetzten durchgeführt. Nach diversen Rückschlägen wurde das Werk endgültig 1569 abgeschlossen und in den Folgejahren von Sahagún selbst immer wieder überarbeitet.

Als er den Auftrag bekam, das Werk über die besiegten Azteken zu schreiben, wandte er dabei ein außergewöhnliches Verfahren an. Er lernte die aztekische Sprache, studierte alle Aspekte der aztekischen Gesellschaft und ließ seine Schüler, Überlebende des Aztekengeschlechtes, die alten überlieferten Erzählungen ihres Volkes in bebilderten Nahuatexten aufschreiben. Die "Primeros Memoriales". Sahagún übersetzte diese Texte und es entstand sein Hauptwerk, die Historia General de las Cosas de la Nueva España (=Allgemeine Geschichte der Dinge von Neu-Spanien), in zwei Sprachen verfasst. In der Historia finden sich die Beschreibung des aztekischen Kalenders, der Astrologie und Wahrsagekunst sowie die Beschreibung der Götter, der Tugenden und Sünden, Flora und Fauna, Philosophie und die Eroberung von Mexiko. In zwei Spalten stellte er die Náhuatl Sprache der spanischen Sprache gegenüber.

Die zwölfbändige Erzählung wurde jedoch zu Lebzeiten Sahgúns nie veröffentlicht und stattdessen in den Archiven der spanischen Regierung deponiert. Man befürchtete die politischen Auswirkungen auf die unterworfenen Azteken. Die Manuskripte waren in den religiösen Zirkeln bekannt, sie wurden von Kloster zu Kloster weitergereicht (Quelle: Catholic Encyclopedia). Eine der drei nach Spanien gesandten Kopien wurde von König Phillip II. 1576 an den Großherzog der Toskana verschenkt, dieser Codex Florentino gilt als umfangreicher und umfassender bebildert, insbesondere im Bereich der Náhuatl-Sprache. Die Wissenschaft hat sich jedoch lange Zeit auf eine andere Kopie gestützt, die in einem Archiv im Kloster des spanischen Tolosa aufbewahrt wird. Sie wurde erst 1800 entdeckt und in den darauf folgenden Jahren publiziert (1829 Mexiko, 1831 London). Diese Kopie ist eine von Sahagún auf Grammatik und Orthographie überarbeitete Version.

Sahagún gilt seiner Arbeit wegen als erster Völkerkundler der Neuzeit, Historiker (Juan Carlos Temprano) weisen jedoch darauf hin, dass auch Sahagún letztlich zum Ziel hatte, die Azteken von ihrem einstigen Glauben auf eine neue Religion einzuschwören.

Literatur

  • Juan Carlos Temprano (Ed.), Fray Bernardino de Sahagún, Historia General de las Cosas de la Nueva España (2 Bände), Madrid 2003
  • Auswahlausgabe: Aus der Welt der Azteken : die Chronik des Fray Bernardino de Sahagún / mit einem Vorw. von Juan Rulfo. Übers. von Leonhard Schultze Jena ... Ausgew. und mit einem Nachw. vers. von Claus Litterscheid. - 2. Aufl.. - Frankfurt am Main : Insel-Verl., 1990

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