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Caso Lydia Cacho

Skandal um eine zeitweilige Verschleppung einer Journalistin im Bundesstaat Puebla.

Lydia Cacho Ribeiro ist eine mexikanische Journalistin und seit 2003 Vorstandsvorsitzende des Frauenrechtsverein "Centro Integral de Atención a las Mujeres" mit Sitz in Cancún. 2005 veröffentlichte sie eine Recherche zum Thema Kinderpornographie ("Los demonios del Edén: el poder que protege a la pornografía infantil"), in dem zwar primär ein Unternehmer namens Jean Succar Kuri (2004 bis 2006 in US-Auslieferungshaft, nun an Mexiko ausgeliefert) angeklagt wird, zugleich aber auch Vorwürfe gegenüber Politikern und Kamel Nacif Borge, Unternehmer aus der Textilbranche, erhoben werden.

Am 16.Dezember 2005 wurde Lydia Cacho in Cancún durch Polizisten des Bundesstaates Puebla verhaftet und nach eigenen Angaben in einem "secuestro seudolegal" ([1]) nach Puebla verschleppt. Nacif hatte zuvor Cacho wegen Diffamierung angezeigt. Am 23.Dezember erließ eine Richterin Haftbefehl, der derzeit gegen eine Kaution ausgesetzt wurde. Im Fall einer Verurteilung drohen der Buchautorin bis zu vier Jahre Haft. Das Verfahren ist mittlerweile wieder nach Cancún zurückverwiesen worden.

Cacho wirft dem Gouverneur von Puebla, Mario Marín Torres, vor, Justiz und Polizei zugunsten von Nacif eingesetzt zu haben (Vorwurf des "tráfico de influencias"). Belastendes Material soll eine heimliche Aufzeichnung eines angeblichen Telefongesprächs zwischen ihm und Nacif sein, bei dem beide Politiker die Verschleppung abgesprochen hätten ([2]). Marín bezeichnete die veröffentlichten Gespräche zunächst als gefälscht, räumt aber mittlerweile er, das es seine "Stimme" sein könnte.

Die Veröffentlichung im Februar 2006 löste eine Welle von Protesten in Mexiko aus, erst forderte am 16.Februar 2006 das mexikanische Abgeordnetenhaus Marín zum Rücktritt auf, bis die Vorwürfe geklärt seien. Eine ähnliche Abstimmung im Senat wurde zunächst durch die Nichtbeschlussfähigkeit verhindert. Wenig später, am 21.Februar 2006, forderten beide Kammern des Bundesparlaments formell das Obersten Verfassungsgericht auf, den Fall (Verschleppung von Lydia Cacho) aufgrund der gegebenen Menschenrechtsverletzungen zu untersuchen. Staatspräsident Vicente Fox schloss eine Intervention der Bundesregierung jedoch aus. Im Zusammenhang mit den Vorwürfen distanzierte sich Marín selbst bereits am 16.Februar 2006 von Nacif öffentlich. Auch andere Präsidentschaftskandidaten und Parteien haben sich vom Unternehmer und von Marín distanziert.

Der SCJN gab am 18.April 2006 bekannt, den Fall zu untersuchen. Ein Urteil wird voraussichtlich im September 2006 fallen - dann könnte der Congreso de la Unión ein Urteil über Marín fällen.

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