Comercio ambulante
"Mobiler" Straßenverkauf
Der "Comercio ambulante", oftmals auch als "Sector informal" bezeichnet (Informeller Erwerbssektor der Wirtschaft, auch Teil des Schwarzmarkts), ist mittlerweile eine nicht vernachlässigbare Größe in der mexikanischen Wirtschaft. Der "Comercio Ambulante" ist aufgrund der wirtschaftlichen und sozialen Rahmenbedingungen die oftmals einzige Lohnerwerbschance für untere Einkommensschichten. Den Sektor kennzeichnet eine fehlende sozialrechtliche Absicherung (Rente, Arbeitslosigkeit, Arbeitnehmerschutz) ebenso wie die Umgehung von Abgaben für Staat(keine Steuerzahlungen) und Infrastruktur (illegales Anzapfen von Strom und Wasser, Besetzung öffentlicher Plätze, Straßen und Gärten). Es sind nicht nur "fliegende Händler": Viele Straßenstände sind fest an einem Straßenabschnitt montiert und von morgens bis abends vom gleichen Händler besetzt. Abends wird die Ware üblicherweise in Depots in der Nähe durch Abholkommandos untergebracht. Verkauft wird alles: Fastfood, Lebensmitteln, Konsumgüter, Kleidung und Schuhe.
Genaue Zahlen gibt es nicht, je nach Gemeinde sind die "Vendedores ambulantes", die Straßenverkäufer, aber eine politische "Pressure Group" und mitunter straff organisiert. Die Grenze zu Kriminalität und Schwarzmarkt (Verkauf von Kopien und Plagiaten von Markenware und urheberrechtlich geschützter Werke) ist zudem fließend. In etlichen Gemeinden haben Straßenverkäufer ganze Straßenzüge besetzt und in eine offene Einkaufspassage verwandelt (beispielsweise der Osten der Altstadt von Mexiko-Stadt). Es gibt unterschiedlich erfolgreiche Bestrebungen, Straßenverkäufer zu legalisieren und ihnen feste und überdachte Standorte (Markthallen) zu übergeben.
In Mexiko-Stadt beispielsweise gibt es verschiedene Einflusszonen. Allein hier soll es Zeitungsberichten zufolge bis zu 500.000 Händler geben, die Politikern unterschiedlicher politischer Ausrichtung im Patron/Klientel-Verhältnis zur Verfügung stehen. So führt beispielsweise Alejandra Barrios Richards in der Altstadt von Mexiko-Stadt die 1983 gegründete Straßenverkäuferorganisation "Asociación Legítima, Cívica y Comercial de Comerciantes", die Presseberichten zufolge bis zu 10.000 Händler unter ihrer Kontrolle hat.