David Alfaro Siqueiros
Einer der drei großen Muralisten ("Tres Grandes") Mexikos, geb. 29.12.1896 in Santa Rosalia de Camargo, Chihuahua, gest. 9.1.1974 in Mexiko-Stadt. Er experimentierte damit, Malerei und Bildhauerei miteinander zu verknüpfen: „Esculptopinatura“, wie er es bezeichnete.
Sein Leben
Siqueiros hatte ein sehr bewegtes Leben und durch sein starkes politisches Engagement wurde er oft von der Malerei abgelenkt. Mit 12 Jahren war er Schüler an der Escuela de Bellas Artes und schon in diesen jungen Jahren nahm er teil am Befreiungskampf gegen den Diktator Victoriano Huerta teil. Er war ein dogmatischer Stalinist und musste deswegen mehrere Jahre im Gefängnis verbringen. Einige seiner Schlüsselerlebnisse, die einen prägenden Einfluss auf sein Schaffen als Maler hatten, waren die Begegnungen mit dem mexikanischen Volk, den Arbeitern, Bauern und Indianern.
Nach seinem Kunststudium in Mexiko-Stadt an der Academia de San Carlos kämpfte er in den Bürgerkriegen. 1919 bereiste er Europa und begegnete in Paris Diego Rivera, der für ihn „die Verkörperung der Revolution der Kunst“ darstellte. 1921 veröffentlichte er in Barcelona das „Manifest an die Künstler Amerikas“. Er machte sich darin u.a. für die Rückkehr zu einheimischen Quellen stark. 1922 kehrte er nach Mexiko zurück, um an den ersten Wandmalereien mitzuwirken, die aber 1924 von den Studentenrevolten unvollendet unterbrochen wurden. Bei seiner Rückkehr ereignete sich eine heftige, in der Öffentlichkeit ausgetragene Polemik zwischen ihm und Rivera, dem er vorwarf, künstlerisch und technisch zu stagnieren.
1923 wurde er Mitherausgeber der Zeitschrift „El Machete“. Er war einer der Mitbegründer und führenden Köpfe in der im gleichen Jahr gegründeten "Gewerkschaft der Maler, Zeichner und Bildhauer" (Sindicato de obreros técnicos, pintores y grabadores revolucionarios de México) und sein politisches Engagement nahm ihn mehr und mehr in Anspruch. Er amtierte als Sekretär der Kommunistischen Partei Mexikos und als Präsident der "Nationalen Föderation der Bergarbeiter" (Federación nacional de trabajadores mineros.
1930 nahm er verbotenerweise an einer Mai-Demonstration in Mexiko-Stadt teil und musste daraufhin für ein Jahr ins Gefängnis. Dort schuf er einige kleinere Bilder, die beeinflusst von Masaccio und anderen Freskenmalern, zu seinen bedeutendsten Werken zählen. Da Mexiko für ihn zu gefährlich geworden war, ging er nach seiner Freilassung nach Kalifornien, wo er unterrichtete und mit neuen Techniken zu experimentieren begann. Die Entwicklung von neuen Mal- und Farbtechniken wurden eines seiner Hauptanliegen: Spritztechnik und Verwendung von fotografischen Projektoren. Als er 1933 nach Uruguay zog, begann er mit schnelltrocknenden Autolacken zu arbeiten. Nach einem zweijährigen Intermezzo in seiner Heimat von 1934-36, zog es ihn nach New York, wo er Leiter einer experimentellen Malergruppe war. Die nächste Station war Europa, wo er auf republikanischer Seite im spanischen Bürgerkrieg mitkämpfte.
Nach Kriegsende kehrte er in die Heimat zurück und beendete seine unvollendeten Wandbilder. Eines seiner typischen Bilder ist das „Portrait der Bourgeoisie“ in der Elektrikergewerkschaft in Mexiko-Stadt. Es zeigt die typisch verzerrten Perspektiven, bei denen man den Eindruck hat, die Figuren und Gruppen würden sich von den Wänden lösen. Aber seine radikale politische Einstellung ließ ihn nicht zur Ruhe kommen. Als Anführer eines fruchtlosen Attentatversuchs auf Trotzki 1941 musste er wiederum sein Land verlassen.
Erst bei seiner Rückkehr 1944 fing er an regelmäßig zu malen. So kann man sagen, dass die meisten seiner Werke erst im letzten Drittel seines Lebens entstanden. Eigentlich zu einem Zeitpunkt, als der Muralismus schon durch andere Stile und Denkweisen in Frage gestellt wurde. Das "Poliforum Cultural Siqueiros", wohl sein ehrgeizigstes Projekt, wurde erst in den Jahren 1962-64 vollendet, nach seinem letzten Gefängnisaufenthalt. Er wollte den ganzen Raum allein mit künstlerischen Mitteln gestalten. Architektur und das bildnerische Werk sollten eine Einheit bilden. Seine überlebensgroßen, aggressiven Schöpfungen erreichen durch die nach außen geneigten Flächen der Außenwände etwas schwindelerregendes. „Der Marsch der Menschheit“, das eigentliche Thema, erscheint dadurch nicht so relevant.
Seine bedeutendsten Werke
- Denkmal für General Ignacio Allende (1949, Escuela de Bellas Artes, San Miguel de Allende)
- Cuauhtémocs Marter (1950, Palacio de Bellas Artes, Mexiko-Stadt)
- Vom Porfirismus zur Revolution (1957-66, 419m², Museo Nacional Chapultepec, Mexiko-Stadt)