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Die Eroberung von Mexiko


Die Eroberung von Mexiko“ beschreibt die Unterwerfung des Reiches der Azteken durch eine spanische Expeditionstruppe unter Führung des Konquistadors Hernán Cortés im Zeitraum 1519-1521. Der Feldzug, erster Höhepunkt der eigentlichen Conquista des mittel- und südamerikanischen Raumes, markiert den Beginn der Unterwerfung des Gebietes des heutigen Mexikos durch die Spanier und den Beginn der spanischen Kolonialherrschaft, die bis 1821 anhalten sollte.

Inhaltsverzeichnis

Vorgeschichte

Beeindruckt durch die Erzählungen und dem Gold, das der spanische Entdecker und Konquistador Pedro de Alvarado bei einer erfolglosen Expedition entlang der bis dato unbekannten Küste von Yucatán erbeutet hatte, beauftragte Diego de Velázquez, Gouverneur von Kuba, den spanischen Edelmann und Soldat Hernán Cortés im Oktober 1518 mit einer Expedition Richtung Festland. Der Vertrag zwischen Diego Velázquez und Cortés lautete, das letzterer lediglich Handel im heutigen Mexiko treiben und dabei das neu entdeckte Land auskundschaften sollte. Eine Eroberung war ihm untersagt, da diese Diego Velázquez später selber durchführen wollte. In den darauffolgenden Wochen bereute jedoch Velázquez seine Entscheidung, Cortés mit der Expedition zu beauftragen und beschloss, Cortés das Kommando wieder zu entziehen. Dies konnte jedoch Cortés durch ein schnelles Auslaufen seiner Flotte verhindern (späteren Entmachungsversuchen von Seiten Velázquez konnte er ebenfalls geschickt entgehen). Im Februar 1519 machte sich Hernán Cortés mit elf Schiffen und 500 Soldaten auf den Weg Richtung Yucatán.

Landung auf Yucatán

Nachdem Cortés im März 1519 Gerónimo de Aquilar, der 1511 durch einen Schiffbruch auf Yucatán gestrandet war und zwischenzeitlich die Mayasprache beherrschte, als Dolmetscher in seine Mannschaft aufgenommen hatte, begann er eine Erkundungsfahrt entlang der Golfküste von Mexiko.

Malintzin (Malinche)

Im April 1519 ging Cortés im heutigen mexikanischen Bundesstaat Tabasco beim heutigen Champoton an Land, es kam zu einer bewaffneten Auseinandersetzung mit hiesigen Maya-Stämmen, die jedoch schnell beendet wurde. Die durch die Pferde der Expedition verängstigten Maya schenkten Cortés Schmuck und Frauen. Unter diesen Frauen befand sich auch Malintzin (Malinche). Ohne ihre Hilfe (sie lieferte Cortés wichtige Informationen und konnte die Feinde der Azteken als Verbündete der Spanier gewinnen) hätte Cortés anscheinend Mexiko nicht so leicht in seine Gewalt bringen können.

Gründung von Villa Rica und die Totonaken

Am 28. Juni 1519 gründete Cortés nördlich der heutigen Stadt Veracruz die erste spanische Ansiedlung auf amerikanischem Festland, die Stadt „Villa Rica de la Vera Cruz“ als günstig gelegener Ausgangshafen. Von hier aus nahmen Abgesandte der Azteken, die zum Zeitpunkt der Landung weite Teile Zentralmexikos dominierten, Kontakt zu den fremdartigen Eindringlingen auf, wenig später folgten auch die von den Azteken unterworfenen Totonaken. Nachdem diese sich mit den Spaniern verbündet hatten, begannen Cortés und seine Männer einen Feldzug auf die Azteken-Hauptstadt Tenochtitlán. Sein Weg sollte ihn dabei, begleitet von mehreren kleineren und größeren Schlachten, Strafexpeditionen und Ausschreitungen, über Cempoallan, Tizapanzingo, Jalapa, Atotonilco, Texcoco, Cholula, die Passhöhe (2600m) zwischen dem Popocatépetl und Iztaccíhuatl, Amecameca, Chalco und Ayotzingo bis vor die Tore von Tenochtitlán am Ufer des Texcoco-Sees führen.

Die Tlaxcalteken als Verbündete der Spanier

Auf dem Weg Richtung Azteken-Hauptstadt drang Cortés in das autonome Territorium der Tlaxcalteken ein. Diese widersetzten sich den Spaniern, im September 1519 kam es zu einer Schlacht zwischen 30.000 Tlaxcalteken (und deren Verbündeten, den Otomí-Stämmen) und den 500 Spaniern, bei der zwei Spanier getötet wurden. Der Kampf endete letztlich mit einem Unentschieden, die Tlaxcalteken boten Cortés schließlich den Frieden an. Grund: Die Tlaxcalteken lagen mit den Azteken in ständigem Kriegszustand, bei den sogenannten „Blumenkriegen“ der Azteken, bei denen es darum ging, möglichst viele Gefangene zu machen um sie den Göttern opfern zu können, kamen die meisten Opfer aus den Reihen der Tlaxcalteken. Durch Cortés sahen die Tlaxcalteken nun eine Chance gekommen, die ihnen verhassten Azteken endgültig zu besiegen. Nach dem triumphalen Einzug Cortés in Tlaxcala wurden Cortés und die Tlaxcalteken Verbündete gegen die Azteken.

Die Gesandten von Moctezuma II.

Auf seinem Weg nach Tenochtitlán wurde Cortés mehrmals von Gesandten und Boten des Herrschers von Tenochtitlán, Moctezuma II. aufgesucht. Sie übergaben Cortés im Namen des Herrschers wertvolle Geschenke und baten ihn, nicht nach Tenochtitlán zu kommen. Moctezuma II. soll die Ankunft von Cortés in Mexiko umstrittenen Überlieferungen zufolge als die lang angekündigte Rückkehr des Gottes Quetzalcóatl interpretiert haben. In der Hoffnung, dass Cortés nicht bis Tenochtitlán vordringen würde, versuchte er ihn durch diese Geschenke von seinem Vorhaben abzuhalten. Allerdings ging dieser Plan nicht auf. Die Spanier waren durch diese Geschenke (u.a. pures Gold) erst recht begierig, Tenochtitlán zu erreichen.

Massaker von Cholula

Aufenthalt in Tenochtitlán

Am 8.November 1519 kam es zum ersten Treffen zwischen Cortés und Moctezuma II. Über den Verbindungsdamm der Stadt führte der Herrscher der Azteken Cortés und dessen Mannschaft in die Stadt. Zuerst waren die Spanier von der Stadt begeistert, als sie jedoch die mit Blut befleckten Tempeln sahen, erfasste sie der Ekel. Die Spanier wurden in einem Palast von Moctezumas Vater untergebracht. Hier wurde Moctezuma II. nach Entdeckung eines versteckten Goldschatzes durch die Spanier als Geisel genommen. Durch die unerwartete Ankunft Pánifilo de Narváez in Villa Rica, der gesandt worden war, um Cortés Einhalt zu gebieten, sah dieser sich jedoch gezwungen ihm entgegenzueilen und überließ, für die Zeit seiner Abwesenheit, Pedro de Alvarado das Kommando in Tenochtitlán. Dieser ordnete bei einer Feier in Tenochtitlán ein sinnloses Massaker am aztekischen Adel an, Hintergrund waren Gerüchte, die Azteken planten einen Handstreich auf die Spanier. Moctezuma II. gelang es, die Lage zunächst zu entspannen, blieb aber weiterhin in Gefangenschaft der Eindringlinge.

Einen Tag nach Cortés Rückkehr (er hatte in Veracruz Pánifilo de Narváez überwältigen und den Großteil dessen Männer für sich gewinnen) griffen die Azteken, geführt unter Cuitláhuac (Bruder von Moctezuma II.) die Spanier an. Ein Schlichtungsversuch durch Moctezuma II. schlug fehl, er wurde durch Steine, geschleudert durch sein eigenes Volk, getötet. Als Cortés erkennen musste, das er den Azteken nicht mehr lange standhalten konnte, befahl er die Flucht aus der belagerten Stadt. Cuitláhuac hatte jedoch alle Dämme zum Festland hin zerstört. Nach schweren Kämpfen in dieser „Noche triste“, wobei Cortés ein Drittel seiner Männer verlor, ereichten die Spanier beim heutigen Tacuba und Naucalpán de Juárez das sichere Ufer und später die Territorien der Tlaxcalteken.

Eroberung von Tenochtitlán

Dadurch bedingt, das sich die Azteken durch die Spanier mit Pocken angesteckt hatten, starb innerhalb weniger Wochen die Hälfte der Bevölkerung, darunter Cuitláhuac. Am 28.Dezember 1520 griff Cortés, mit Unterstützung der Tlaxcalteken und anderer Verbündeter, erneut Tenochtitlán an. Zuvor hatte er mehrere Schiffe bauen lassen, mit denen die Hauptstadt von ihrem Nachschub abgeschnitten wurde. Expeditionen rund um den See sorgten für die Unterwerfung Aztekentreuer Orte wie das heutige Cuernavaca. Cuitláhuacs Nachfolger Cuauhtémoc leistete erbitterten Widerstand, was die Spanier veranlasste, die belagerte Stadt Stein um Stein zu zerstören, um so den Widerständlern die Grundlage zu entziehen. Cuauhtémoc versuchte kurz vor dem Fall die Stadt zu verlassen, wurde aber beim Fluchtversuch gefasst und gefangengenommen. Seine Gefangennahme bedeutete das Ende des Widerstands im noch verteidigten Rest von Tenochtitlán. Das Azteken-Reich war somit besiegt und unterworfen. Zuerst wurde der letzte Herrscher der Azteken von Cortés als Gefangener in allen Ehren behandelt, 1525 wurde er jedoch hingerichtet.

Begründung des Vizekönigreiches Neu-Spanien

Sein Eroberungsfeldzug brachte Cortés die Ernennung zum Gouverneur von Neuspanien durch den spanischen König Karl V. ein. In der Folgezeit befand sich Cortés in einem ständigen Wechsel zwischen Erfolg und Misserfolg (als Gouverneur suspendiert, später die Ernennung zum Markgrafen und Generalleutnant, Wiederernennung zum Generalkapitän von Neuspanien, Ernennung zum Marqués des Tals von Oaxaca, Untersuchungsverfahren gegen ihn). Eine wirkliche Zentralregierung des neuen Vizekönigreichs setzt erst der erste Vizekönig Antonio de Mendoza ab 1535 durch. Mit ihm beginnt die eigentliche Kolonialzeit.

Weitere Eroberungsfeldzüge

Während und nach der Zerstörung des Azteken-Reiches unternahmen die Spanier Expeditionen unterschiedlichen Ausmaßes, um noch unbesetzte Territorien des Imperiums zu besetzen. Zudem wurden nun Stück für Stück auch die bis dato unabhängigen Nachbarn der Azteken kontaktiert und friedlich oder mit Gewalt unterworfen. Bekannte Conquistadoren waren nach Cortés Francisco de Montejo, Pedro de Alvarado und Alvaro Núñez Cabeza de Vaca. Bereits 1522 hatten sich die Tarasken mehr oder weniger freiwillig unter die spanische Herrschaft gestellt, die tatsächliche Machtübernahme mittels Gewaltanwendung erfolgte aber erst durch die Expedition von Nuño Beltrán de Guzmán 1529-1530. Ab 1542 unterwarf Montejo die Halbinsel Yucatan, seine Nachfolger sollten aber noch etliche Jahrzehnte mit dem Widerstand der Maya zu kämpfen haben. Zeitlich spätere Conquista-Feldzüge dienten eher der Erforschung klar umrissener Territorien, manche Erkundungen entsprangen der nackten Not (wie Cabeza de Vacas Odysee durch Nordamerika 1528-1536). Als (später) Schlussakt der Conquista gilt zumindest für das mexikanische Gebiet die 1697 erfolgte Zerstörung des letzten unabhängigen Maya-Stadtstaates im heutigen Guatemala (aufgrund seiner Identität zu den Mayas Mexikos).

Spätere Feldzüge gegen indigene Gruppen resultierten hingegen aus Rebellionen, Strafexpeditionen oder bis dato nicht erfolgter Assimilation (Yaqui, Chichimeken).

Literatur

Die Quellenlage der Eroberung Mexikos muss berücksichtigen, dass sie sich hauptsächlich auf teilweise erst Jahrzehnte nach der Eroberung verfasste Berichte der Eroberer stützt. Die Azteken führten nur eine eingeschränkte Art verschriftlichter Geschichte (Codice), die zudem den Zeitraum 1519-1521 nicht aktuell erfasste. Spätere schriftliche Aufzeichnungen (auch als Codice) wurden durch spanische Missionare in Gesprächen mit indigenen Zeitzeugen der Ereignisse verfasst.

Primäre Literatur

Sekundäre Literatur

  • Hugh Thomas, Cortés, Montezuma and the fall of old mexico, 1998
  • Miguel León-Portilla, El reverso de la Conquista. Relaciones aztecas, mayas y quechuas de la Conquista, 1964 (1971 neu aufgelegt) (dt: Rückkehr der Götter)
  • William Hickling Prescott, Eroberung Mexikos, 1843