Geschichte
From Mexiko-Lexikon
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Das vorhispanische Zeitalter (1200 v.Chr.-1521 n.Chr.)
Einige Funde sprechen dafür, dass ein Volk von Jägern das Land schon 21 000 Jahre v. Chr. besiedelte. Es folgte die Zeit der Hochkulturen wie die der Olmeken, Totonaken, Huaxteken, Zapoteken, Mixteken, Tarasken, Teotihuacaner, Tolteken, Chichimeken, Azteken und Maya.Hauptartikel: Hochkultur, im Speziellen: Azteken und Maya
Die spanische Eroberung
Am 21. April 1519 ging der spanische Seefahrer Hernán Cortés im Golf von Mexiko an Land und eroberte mit Unterstützung einheimischer Völker (Tlaxcala, Totonaken) zwischen 1519 und 1521 das Reich der Azteken für die spanische Krone. Die Kapitulation der Azteken am 13.August 1521 besiegelte das Schicksal der Kultur der Azteken, die spanische Herrschaft dehnte sich in der Folgezeit über das gesamte Zentral- und Nordmexiko aus. Ab 1527 setzten Eroberungsversuche der Halbinsel Yucatáns ein, die durch eine fehlende Zentralgewalt (1431 Zerfall der „Liga von Mayapán“) deutlich vereinfacht wurde. 1543 war die Halbinsel größtenteils unterworfen. Nach Abschluss der Eroberung ("Conquista) wurde Mexiko der spanischen Krone angeschlossen und zum Vizekönigreich Neu-Spanien proklamiert.
Hauptartikel: Eroberung des Aztekenreiches durch Hernán Cortés und Conquista
Die Kolonialzeit (1535 bis 1821)
1535 wurde mit der Ernennung von Antonio de Mendoza zum ersten spanischen Vizekönig die Grundlage für die Kolonialregierung in Mexiko gelegt. Unter Mendoza und seinen Nachfolgern wurde Mexiko um die Territorien des heutigen Texas, New Mexico und Kalifornien vergrößert. In der Zeit von 1535 bis 1821 regierten insgesamt 61 Vizekönige über Mexiko beziehungsweise Neu-Spanien. Die Kolonialzeit wurde geprägt durch:
- Ausbeutung und Versklavung
- Stellung und Macht der Kirche
- Aufteilung der Gesellschaft in drei Klassen
Hauptartikel: Kolonialzeit
Erste Schritte der Unabhängigkeit (1810-1860)
Am 16. September 1810 rief der Priester Miguel Hidalgo y Costilla zum Kampf gegen die spanische Regierung auf und forderte die Aufhebung der Standesunterschiede sowie die Abschaffung der Leibeigenschaft der Indigena. Damit wurde ein Aufstand eingeleitet, der elf Jahre dauerte und über 600.000 Menschenleben forderte, die Rebellen aber zunächst nicht zu ihrem Ziel der Unabhängigkeit führte.
Erst mit dem „Plan von Iguala“ des spanisch-mexikanischen Generals Agustin de Iturbide, der eine Intrige gegen die liberalen politischen Tendenzen in Spanien im Auge hatte, sowie mit Unterstützung des Aufstandsführer Vicente Guerrero, konnte die Unabhängigkeit 1821 erreicht werden. Der Plan sah die Etablierung einer konstitutionellen Monarchie vor, in der Spanier und Kreolen gleichberechtigt sein würden. Der letzte Vizekönig von Neuspanien, Juan O’Donojú, musste die Loslösung akzeptieren. Das unabhängige "Kaiserreich" unter Iturbide hatte jedoch keinen Bestand, 1823 wurde die Republik ausgerufen.
Die folgenden Jahrzehnte der mexikanischen Unabhängigkeit waren durch Instabilität geprägt. Wechselnde Militärrevolten und Verfassungsprojekte verhinderten die Sanierung der Staatsfinanzen. Mehrmals besetzte General Santa Ana das Präsidentenamt.
Außenpolitisch waren diese Jahrzehnte eine Serie an Niederlagen: Zwar konnte eine spanische Rückeroberung durch den Sieg von Tampico 1827 verhindert werden. Doch 1835 löste sich die Nordostprovinz Texas, 1838 besetzten die Franzosen zeitweilig Veracruz. 1846-1848 schließlich musste sich das Land gegen eine US-Invasion (Krieg Mexiko-USA) wehren und verlor im Friedensvertrag von Guadalupe Hidalgo mehr als die Hälfte seines Staatsgebietes.
Hauptartikel: Mexikanischer Unabhängigkeitskrieg | Mexikanische Unabhängigkeit
Reform und Stabilität (1860-1910)
Nachdem Benito Pablo Juárez García, ein Zapoteken-Indigena aus Oaxaca, sich am Sturz des Präsidenten und Diktators Antonio Lopez de Santa Ana beteiligte, übernahm er zuerst das Justizministerium und wurde 1857/61 Präsident von Mexiko. Er war der Initiator einiger drastischer Reformen (Zivilehe, Trennung von Kirche und Staat, Verstaatlichung der Kirchengüter), was wiederum einen Bürgerkrieg (1857-1860) auslösten, den die Anhänger von Juárez gewannen. Die Wirtschaftssituation (leere Staatskassen) zwang Juárez jedoch Mitte 1861 zur Einstellung der Schuldentilgung an ausländische Kreditgeber. Nachdem daraufhin französische, spanische und britische Truppen Ende 1861 in Veracruz landeten, konnte er mit Großbritannien und Spanien eine Einigung erzielen. Die Franzosen drangen jedoch weiter vor, nahmen die Hauptstadt Mexiko-Stadt 1863 ein. 1864 wurde Maximilian, Erzherzog von Österreich, zum Kaiser von Mexiko proklamiert. Maximilian, zwar eine politische Marionettenfigur Napoleons III, hatte eigene liberale Ideen, konnte sich aber kaum durchsetzen und wurde trotz der absehbaren Niederlage seiner "Causa" 1867 durch die Truppen von Juarez gefangengenommen und in Querétaro erschossen. Juárez kehrte als Präsident nach Mexiko-Stadt zurück. 1871 wurde durch Porfirio Díaz ein Aufstand eingeleitet, deren Ende Juárez durch seinen plötzlichen Tod 1872 nicht mehr erlebte.
1874 wurde Porfirio Díaz durch einen weiteren Aufstand Staatspräsident. Seine "Porfiriato" genannte Amtszeit währte insgesamt 34 Jahre. Diaz etablierte eine autokratische Fortschrittsdiktatur, die nicht nur die indigene Bevölkerung unterdrückte, sondern das gesamte Land. Nutznießer seiner Herrschaft waren in- und ausländische Industrielle (erhebliche Modernisierung der Infrastruktur und Bodenschätze) sowie konservative Eliten und Großgrundbesitzer, die schon Maximilian unterstützt hatten und nun auch Profirio Diaz. Unter dem einstigen liberalen General klafften die Klassenunterschiede immer mehr auseinander, die bürgerliche Mittelschicht wandte sich 1908 von ihm ab. 1910 war eine neue Revolution vonnöten.
Revolution und Reform (1910-1945)
Enorme Klassenunterschiede führten im Jahr 1910 zur von mehreren Strömungen getragenen Revolution. Im Norden proklamierte der zunächst festgenommene und dann ins Exil geflohene liberale Präsidentschaftskandidat Francisco Indalecio Madero Ende 1910 den Aufstand gegen Diaz. Bandenführer wie Pancho Villa und weitere Gouverneure schlossen sich Maderos Aufruf an. Im Süden des Landes hingegen rekrutierte Emiliano Zapata aus unzufriedenen Bauern eine Armee, die anders als der Großgrundbesitzer Madero soziale Reformen anstrebt. Bereits Mitte 1911 floh Porfirio Díaz ins Ausland, Madero wurde Präsident. Seine Weigerung, die geforderten Reformen umzusetzen, sowie die Beibehaltung der Strukturen der Diktatur führten jedoch zum Bruch mit Emiliano Zapata, später auch mit Pancho Villa.
Madero selbst wurde Opfer der von Díaz übernommenen Armee. General Victoriano Huerta putschte sich 1913 an die Macht und ließ den Präsidenten ermorden. Eine erneute Revolution unter Emiliano Zapata, Pancho Villa und dem Gouverneur von Sonora, Venustiano Carranza, führte zwar bereits 1914 zum Sturz von Huerta, Carranza wurde Präsident. Doch was als eine Rebellion der bürgerlichen Mittelschicht begann, hatte sich nun in eine von Bauern geführte Schlacht verwandelt, die eine Trennung von Kirche und Staat, das allgemeine Wahlrecht und die Beendigung der ausländischen Kontrolle in wirtschaftlichen und politischen Bereichen forderte.
Rivalisierende Bestrebungen unter den Rebellenführern führten bereits 1914 dazu, das Villa und Zapata sich einmal mehr erhoben und Carranza den Krieg erklärten. Ein Versuch Pancho Villas, den Konflikt durch einen Angriff auf die US-Grenze Ende 1916 zu internationalisieren, scheiterte. Nach anfänglichen Siegen und zeitweiliger Besetzung der Hauptstadt wurden die Rebellen jedoch besiegt, es dauerte jedoch noch bis 1917, ehe in Queretaro eine neue Verfassung ausgearbeitet wurde. 1919 verlor der Aufstand der Bauern in Südmexiko durch die Ermordung von Pancho Villa an Bedeutung.
Den Abschluss der Revolution bildete der Sturz und die Ermordung von Carranza 1920, zu dem sich alle noch existierenden Rebellengruppen zusammenfanden. Generell wird damit das Ende der bewaffneten Auseinandersetzungen bezeichnet, doch blieb Mexiko bis in die dreißiger Jahre von inneren Unruhen und Aufständen geprägt.
In den nachfolgenden Jahren waren von besonderer Bedeutung die Präsidenten Plutarco Elías Calles, der eine Strategie der Härte gegenüber der katholischen Kirche verfolgte und die PRI (Partido Revolucionario Institucional) gründete sowie Lázaro Cárdenas, der die Reform der Wirtschaft in Angriff nahm und die Erdölindustrie verstaatlichte.
Hauptartikel: Mexikanische Revolution
Das moderne Zeitalter (1945 bis heute)
Cárdenas Sozialreformen blieben die weitreichendsten. Seine Nachfolger mäßigten die Landverteilung, die die sozialen Konflikte gemindert hatte und setzten stattdessen auf den Ausbau der Industrien und Dienstleistungen. Dies ging einher mit der durch die PRI-Herrschaft garantierten politischen Stabilität.
Das sogenannte Milagro Mexicano, basierend auf den Einnahmen aus dem Ölsektor und wirtschaftlichem Protektionismus, bescherte Mexiko einen jahrzehntelangen wirtschaftlichen Boom, durch den eine massive öffentliche Bautätigkeit möglich wurde. Zugleich aber nahm im sich verkrustenden politischen System die Korruption zu, ebenso ab Ende der sechziger Jahre eine gesellschaftliche Unzufriedenheit. Es kam zu Studentenunruhen und Guerillaktionen. Die nicht kontrollierte Verschuldung führte schließlich in den achtziger Jahren zu einer tief greifenden Wirtschaftskrise mit Verstaatlichung der Banken 1982. Ein verherrendes Erdbeben 1985 in Mexiko-Stadt machte zudem die Ineffizienz des politischen Systems überdeutlich. Erst unter Präsident Carlos Salinas de Gortari (1988-1994), auf dessen knappen Wahlsieg gegenüber dem charismatischen Oppositionellen Cuauhtémoc Cárdenas der Verdacht massiver Wahlfälschung bis heute lastet, begann eine zaghafte Demokratisierung und ungleich intensivere wirtschaftliche Öffnung des Landes (Privatisierung von Staatsunternehmen) unter neoliberalen Vorzeichen.Der "Salinismo" bescherte Mexiko eine Erholungsphase, doch mit dem NAFTA-Freihandelsabkommen mit den USA und Kanada war das Land seit 1994 den internationalen Wirtschaftsmärkten vollständig geöffnet. Einher ging damit eine Verarmung weiter Teile der Bevölkerung. Insbesondere die Bauern gehörten zu den "Verlieren" der Reform, die traditionell starke Landflucht in die Städte und über die Grenze in die USA hat mit den Wirtschaftsreformen erheblich zugenommen. Der soziale Sprengstoff entlud sich schließlich u.a. im Neujahrsaufstand in Chiapas 1994, im gesamten Land gibt es zudem etliche bis heute ungelöste Ländereienstreitigkeiten. Der Chiapas-Konflikt löste politische Spannungen (Ermordung des "offiziellen" Präsidentschaftskandidaten) aus und trug dazu bei, die aus dem Salinismo herrührenden Strukturprobleme und Korruptionsfällen eine Währungs- und Wirtschaftskrise aus, die den Banksektor an den Rand des Zusammenbruchs brachten und nur durch den FOBAPROA bereinigt werden konnte. Die Wirtschaftskrise flaute erst nach 1997 ab. Politisch hingegen erlaubten die Reformen langfristig den ersten demokratischen Machtwechsel bei den Präsidentschaftswahlen 2000 zu Vicente Fox als erster nicht dem PRI entstammender Staatspräsident.
Fox Regierungszeit ist seitdem von einer anhaltenden Demokratisierung des Landes, aber auch der anhaltenden Stärke der einstigen Regierungspartei PRI geprägt. Der Chiapas-Konflikt bleibt noch immer ungelöst, auch wenn ihn Fox 2004 als "Teil der Geschichte" interpretierte. Sein "Sexenio" hat jedoch eine verstärkte Wahrnehmung des Landes im internationalen Bewusstsein erlebt in Kunst und Schauspiel, Tourismus und den Problemen des Drogenhandels und der illegalen Einwanderung mexikanischer und südamerikanischer Landflüchtlinge Richtung USA.
Hauptartikel: Milagro Mexicano, Salinismo, Chiapas-Konflikt
Zeittafel Mexikos
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