Grito de Dolores

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Grito = span. Schrei

Aufruf zum bewaffneten Kampf gegen die spanische Kolonialherrschaft. Beginn des mexikanischen Unabhängigkeitskrieges.

Der "Grito" des Paters Miguel Hidalgo y Costilla in seiner Pfarrei Dolores Hidalgo ist historisch nur durch spätere Aussagen der Beteiligten überliefert worden. Es existiert keine schriftliche Fassung der Rede, die Hidalgo am frühen Morgen des 16.September 1810 anstelle der üblichen Sonntagspredigt vor seiner Gemeinde abhielt, wohl aber mündliche Überlieferungen und spätere schriftliche Aussagen, die u.a. vom Historiker Lucas Alaman publiziert worden sind. Demnach soll Hidalgo in seiner Rede wider die Tyrannei und dem Ruf zum Widerstand folgende Sätze gesagt haben: "Viva la Virgen de Guadalupe", "Muerte al mal gobierno", "Muerte a los gachupines" - Hochrufe auf die mexikanische Schutzpatronin und gegen die spanische Regierung und Einwohner.

Der Historiker John Llynch geht davon aus, dass in dieser damaligen Predigt keine Unabhängigkeit von Spanien proklamiert wurde, Hidalgo aber die überwiegend indigene Bevölkerung von Dolores Hidalgo auf ihre Unterdrückung und Ausbeutung hingewiesen hat und zur Rebellion aufrief. Überliefert ist, dass Hidalgos Verschwörer, vorwiegend weißer Abstammung, in den Indigenas eher Kanonenfutter als tatsächliche Verbündete sahen - der Priester hingegen entwickelte sehr rasch radikale Ideen einer Sozialrevolution, was ihm letztlich die Unterstützung gemäßigter Weißer kosten sollte. 1811 brach seine Rebellion zusammen.

Grito als Gedenkmoment

Der "Grito" ist zentraler Bestandteil der jährlichen Unabhängigkeitsfeier: An jedem 15.September tritt um Mitternacht der Staatspräsident des Landes an den Balkon des Präsidentenpalastes in Mexiko-Stadt und verkündet vor einer Menschenmenge in mehrmaligen "Viva!"-Rufen verschiedene Hochrufe auf Ereignisse, Personen oder Gegenstände: Viva México, Viva la independencia oder auch Viva la democracia. Im vorletzten Jahr einer Präsidentschaft wird der Ruf direkt im Ort Dolores Hidalgo ausgestoßen. Die Szene wiederholt sich im Allgemeinen an jedem größeren Ort in Gestalt der örtlichen Autoritäten: Gouverneure, Bürgermeister, Gemeinderäte.

Dieses Ritual wurde bereits ein Jahr nach dem Tod von Hidalgo durch seinen Mitstreiter Ignacio López Rayón aufgenommen. 1813 schließlich schlug Morelos vor, den 16.September als Feiertag aufzunehmen. 1822, nach Erreichen der Unabhängigkeit, schlug der Verfassungskongress vor, neben anderen Tagen auch den 16. und 17.September als Nationaler Feiertag zu würdigen - was auf den Widerstand des Kaisers Agustín de Iturbide stieß, der die Rebellen nicht als Vorläufer der Unabhängigkeit betrachtete. Erst 1823, nach dem Sturz des Kaisers, wurde der 16.September auch offiziell ein Feiertag.

Dass auch der 15.September als Feiertag hinzugenommen worden ist, geht angeblich auf eine Initiative von Diktator Porfirio Diaz zurück, der somit auch seinen Geburtstag (15.09.) in würdigem Rahmen feiern ließ.

2006 wurde der Grito von Staatspräsident Vicente Fox Quesada entgegen der Tradition nicht in Mexiko-Stadt, sondern wiederum in Dolores Hidalgo gefeiert. In der Hauptstadt übernahm der Bürgermeister der Stadt die Aufgabe. Hintergrund waren der Streit um die Präsidentschaftswahlen 2006.

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