Mexiko und "die andere Seite"
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Zwischen Hakenkreuz und Davidstern. Deutschsprachige in Mexiko (Teil I)

Die "Revolutionäre" treffen ein. Deutschsprachige in Mexiko (Teil 2)

Politische Beziehungen

Unsere bilateralen Beziehungen mit Mexiko sind sehr gut. Deutschland wird in Mexiko als wichtiger strategischer Partner in Europa angesehen. Umgekehrt ist auch Mexiko für uns ein Schlüssel-Land der Außen- und außenwirtschaftlichen Beziehungen zu Lateinamerika. Die positive Aufnahme deutscher Wirtschaftsdelegationen aus den Bundesländern spiegelt die Erwartung eines stärkeren, insbesondere wirtschaftlichen Engagements in Mexiko wider. Kritische Aufmerksamkeit in der mexikanischen Öffentlichkeit finden insbesondere Erscheinungen des Rechtsradikalismus und der Ausländerfeindlichkeit in Deutschland. Deutschland seinerseits beobachtet aufmerksam die Entwicklungen in Zusammenhang mit der Thematik der indianischen Bevölkerung, vor allem im mexikanischen Bundesstaat Chiapas.

Die Besuche von Staatspräsident Zedillo im Oktober 1997 in Deutschland sowie von Bundespräsident Herzog im März 1999 und Bundestagspräsident Thierse (Okt. 1999) in Mexiko haben den deutsch-mexikanischen Beziehungen weiteren Auftrieb verliehen. Auch Präsident Fox stattete Deutschland bereits kurz vor seiner Amtsübernahme einen offiziellen Besuch ab. Bundeswirtschaftsminister Müller weilte als Vertreter der Bundesregierung am 01. Dezember 2000 zum Amtsantritt von Präsident Fox in Mexiko. Dieser besuchte Deutschland erneut Ende Januar 2001 und traf dort mit deutschen Unternehmen zusammen, bei denen er für Investitionen in Mexiko warb. Ende August wird der Bundeskanzler in Begleitung von Bundeswirtschaftsminister Müller und einer hochrangigen Wirtschaftsdelegation Mexiko besuchen.

Im November 2000 weihte die damalige mexikanische Außenministerin Rosario Green unter großer Aufmerksamkeit der Öffentlichkeit die neue, architektonisch beeindruckende mexikanische Botschaft in Berlin-Tiergarten ein.

Kulturelle Beziehungen

Im Rahmen des Abkommens über kulturelle Zusammenarbeit von 1978 tagt i.d.R. alle drei bis vier Jahre eine gemischte Kommission abwechselnd in Deutschland und Mexiko. Die VII. Sitzung fand im Oktober 1999 in Guadalajara statt.

In Mexiko-Stadt besteht seit 1894 die derzeit größte deutsche Begegnungsschule im Ausland, die aus zwei Teilschulen jeweils im Norden und im Süden der Stadt besteht (ein dritter Campus im Westen der Stadt wird zum August 2001 eingerichtet). Weitere von Deutschland amtlich geförderte Deutsche Schulen gibt es in Puebla (seit 1911) und Guadalajara (seit 1979). Ferner gibt es deutsche Privatschulen in Tijuana und in Torreón.

1996 wurde in Zusammenarbeit zwischen der Deutschen Schule in Mexiko-Stadt und der Deutsch-Mexikanischen Handelskammer das "Instituto Superior Méxicano-Alemán de Capacitación" eingerichtet, an dem nach dem deutschen Dualen Modell Industrie- bzw. Bürokaufleute ausgebildet werden.

Das 1966 gegründete Goethe-Institut in Mexiko-Stadt bietet neben der Spracharbeit ein qualitativ hochstehendes, modernes Kulturprogramm an. Ein weiteres, kleineres Goethe-Institut gibt es in Guadalajara. Amtlich gefördert werden auch Deutsche Kulturzentren in Monterrey und San Luis Potosi.

Wichtiges Gebiet der deutschen Kulturarbeit ist die Zusammenarbeit im Hochschulbereich. Neben Postgraduierten-Stipendien des DAAD (der seit 2000 mit einer eigenen Außenstelle in Mexiko-Stadt vertreten ist) mit in der Regel mehrjähriger Dauer spielt der Wissenschaftler-Austausch eine bedeutende Rolle. Neben dem DAAD spielt hierbei die Alexander-von-Humboldt-Stiftung eine wichtige Rolle.

Der im Oktober 1998 in Mexiko-Stadt eröffnete Sonderlehrstuhl "Wilhelm und Alexander von Humboldt" für Lehre und Forschung auf dem Gebiet der Deutschlandstudien wird auf deutscher Seite vom DAAD getragen und ist auf mexikanischer Seite bei der "Universidad Nacional Autónoma de México" (UNAM) und beim "Colegio de México" angesiedelt.

Seit 1997 besteht in Mexiko ferner eine "Kulturstiftung der deutschen Wirtschaft", die von derzeit 28 in Mexiko ansässigen deutschen Unternehmen getragen wird. Sie unterstützt - unter Mitarbeit der Deutschen Botschaft, des Goethe Instituts und der deutsch-mexikanischen Handelskammer (CAMEXA) herausragende Kulturprojekte mit Deutschlandbezug.

Deutsche Schule Mexiko-Stadt (Lomas Verdes - Nord)
Deutsche Schule Mexiko-Stadt (Süd)
Deutsche Schule Guadalajara
Deutsche Schule Puebla

Wirtschaftsbeziehungen

Deutschland ist zweitgrößter Handelspartner (nach den USA) sowie Partner Nr. 1 innerhalb der EU. Die wichtigsten deutschen Exportgüter sind Maschinen und Anlagen, Kraftfahrzeuge, elektronische Erzeugnisse und Metallwaren; im Gegenzug importiert Deutschland Kraftfahrzeuge, elektronische Erzeugnisse, Baumaschinen und chemische Vorprodukte. 1999 betrugen die deutschen Exporte ca. 5 Mrd. US-Dollar, die Importe 2,3 Mrd. US-$.

Die deutschen Direktinvestitionen liegen nach einer Erhebung der Botschaft bei über 6 Mrd. US-$, d.h. auf dem zweiten Platz nach den USA. Im Mexiko sind ca. 700 Unternehmen mit deutscher Kapitalbeteiligung ansässig. Belebend auf die deutsche Investitionstätigkeit v.a. mittelständischer Firmen wirkt sich das am 25.08.1998 unterschriebene bilaterale Investitionsschutzabkommen, das geplante Deutsche Industrie- und Handelszentrum in Mexiko-Stadt, dessen Grundstein 1999 gelegt wurde, und vor allem die Unterzeichnung des Freihandelsabkommens mit der EU aus.

Mit rund 300.000 Touristen stellt Deutschland das drittgrößte Besucherkontingent in Mexiko.

Im Rahmen der deutsch-mexikanischen Entwicklungszusammenarbeit hat das BMZ seit 1962 über 377 Mio. DM zu Verfügung gestellt. Die staatliche Technische Zusammenarbeit, die etwa die Hälfte dieser Mittel nutzt, konzentriert sich inzwischen ausschließlich auf den städtisch-industriellen Umweltschutz im Raum Mexiko-Stadt.

Deutsche Auslandshandelskammer in Mexiko

Die mexikanische Botschaft zu wesentlichen Aspekten der bilateralen Beziehungen
zwischen Deutschland und Mexiko
(leider nicht der aktuellste Stand)

Wissenschaftlich-technische und kulturelle Zusammenarbeit

Deutschland ist für Mexiko das bedeutendste europäische Partnerland im Bereich der wissenschaftlich-technischen Zusammenarbeit.

Zwischen beiden Ländern besteht eine enge Zusammenarbeit im Umweltbereich, insbesondere bei Programmen zur Verbesserung der Luftqualität, der Entsorgung von Schadstoffen und der Einführung umweltfreundlicher Produktionstechniken in Klein- und Mittelbetrieben. Diese Projekte fügen sich hervorragend in die Thematik der Expo 2000: „Mensch – Natur – Technik“ ein und fördern die Entstehung eines Umweltbewußtseins und eine nachhaltige Entwicklung.

Die Anzahl mexikanischer Kulturveranstaltungen in Deutschland hat sich in den letzten Jahren außerordentlich erhöht. Die Präsenz Mexikos in Deutschland ist in Europa nur noch mit Spanien vergleichbar. Die Schlußakte des im November 1999 unterzeichneten Abkommens über kulturelle Zusammenarbeit hat es sich zum Ziel gesetzt, die im Rahmen des vorherigen Programmes (1969-99) durchgeführten über 300 Veranstaltungen, noch zu übertreffen.

Gesellschaft

In Deutschland gibt es einige nichtstaatliche Organisationen, deren Interesse an der Menschenrechtssituation in Mexiko groß ist. Unsere Teilnahme an der Expo 2000 kann dazu beitragen, diesen Organisationen einen realistischeren Eindruck von der tatsächlichen Lage unserem Land zu vermitteln und das Wissen über die Anstrengungen, die in Mexiko zu einer Bewußseinsbildung und Konsolidierung in Menschenrechtsfragen unternimmt, zu erweitern.

Fremdenverkehr

Unter den europäischen Urlaubsreisenden, die unser Land besuchen, sind die Deutschen in der Mehrzahl. Neben Briten und Amerikanern stellen sie für die Reisebranche weltweit eine der wichtigsten Gruppen dar.

1999 haben ungefähr eine Million deutsche Touristen Lateinamerika und die Karibik besucht, 325 000 davon kamen nach Mexiko.

Mexiko gehört zu den 10 beliebtesten Fernreisezielen der Deutschen. Es konkurriert in diesem Zusammenhang mit den USA, Kanada, der Dominikanischen Republik, Thailand, Hong Kong, Kuba, Singapur, Südafrika, Indonesien und China.

Jahrzehntelang besuchten die Touristen fast auschließlich die traditionellen Reiseziele auf der Halbinsel Yucatán, den Staat Oaxaca, Mexiko-Stadt und Umgebung sowie Acapulco.

Die mexikanische Karibikküste ist heute eine der gefragtesten Gegenden sowohl bei Bildungsreisen als auch bei kombinierten Kultur- und Erholungsreisen (Cancún, Riviera Maya).

Nach einer im Focus vom 8. Mai 2000 veröffentlichten Liste steht Mexiko auf der Beliebtheitskala deutscher Touristen weltweit an sechster Stelle nach Spanien, China, Kanada, Italien, Frankreich. Auf dem siebten und achten Platz folgen Österreich und die USA. Nach dieser Statistik ist der Fremdenverkehr in Mexiko 1999 um 2,0 % gewachsen.

Schlußbemerkungen

Die Expo 2000 bietet einen idealen Rahmen um Mexiko von Deutschland aus der ganzen Welt zu präsentieren und um für unser Land zu werben. Immerhin werden Tausende Reporter aus aller Welt fünf Monate lang den mexikanischen Pavillon besuchen und somit über die verschiedensten Themen aus Politik, Wirtschaft, Gesellschaft und Kultur berichten können. Die Teilnahme an der Weltausstellung bietet uns eine hervorragende Gelegenheit zur Selbstdarstellung: Mexiko als Handelspartner, sein wirtschaftliches Potential, den Demokratisierungsprozeß, gesellschaftliche Strömungen, die sich ausgehend von der sozialen Dynamik unseres Landes mit der Sensibilisierung der Öffentlichkeit in Umwelt- und Menschenrechtsfragen beschäftigen. All dies sind letztendlich Faktoren im Hinblick auf eine nachhaltige Entwicklung.

Die Teilnahme Mexikos an der Expo 2000 ist Teil eines strategischen Projekts, das eine größere Diversifizierung des mexikanischen Außenhandels anstrebt. Europa spielt hierbei eine herausragende Rolle. Mexiko ist dabei, sich auf der internationalen Bühne einen Platz als demokratisches Land auf dem Weg in eine moderne Zukunft zu sichern.

Auf diesem Hintergrund spiegeln der mexikanische Pavillon auf der Expo 2000, der Neubau der mexikanischen Botschaft in Berlin und die Errichtung eines Deutschen Hauses in Mexiko-Stadt auf einem Grundstück, das eine Schenkung der mexikanischen Regierung war, in symbolhafter Weise die Bedeutung wieder, die Mexiko seinen Beziehungen nicht nur zu Deutschland, dem Motor der europäischen Wirtschaft, sondern auch zu Europa insgesamt beimißt.

Alle diese Anstrengungen sollen dazu beitragen, das Verständnis zwischen beiden Völkern, die wirtschaftliche Entwicklung und Investitionstätigkeit, den politischen Dialog, Projekte wissenschaftlicher und technischer Zusammenarbeit und nicht zuletzt das Verständnis für soziale Phänomene auf beiden Seiten zu fördern. Die Präsenz eines jeden Partners im anderen Land soll verstärkt und die Kenntnisse über den anderen im alltäglichen Umgang vertieft werden.

www.omex.de