Mexiko und "die andere Seite"
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MEXIKO UND DIE USA

¡Pobre México, tan lejos de Dios y tan cerca de los Estado Unidos!

(Armes Mexiko, so weit von Gott und so nah bei den USA!)
Mexikanische Volksweisheit, ... nach einem Ausspruch des langjährigen mexikanischen Diktators General Porfirio Díaz vor rund hundert Jahren.

Die Beziehungen zwischen Mexiko und den USA sind für jeden Mexikaner immer wieder ein wichtiges Thema und werden besonders in Gesprächen mit Ausländern gerne angesprochen - in der Hoffnung, der Fremde äußert sich positiver über Mexiko als über die USA. Da ist es von Vorteil, über die Vorgeschichte dieser "besonderen Freundschaft" informiert zu sein. Jeder Mexikaner hat seine eigene Grenze mit den USA, nicht nur die 2600 km lange geographische Grenze, die vom Golfo de Mexico bis Ciudad Juarez (El Paso) dem Rio Grande und dem Rio Bravo folgt.

Von Anfang dieses Jahrhunderts bis in die siebziger Jahre wurden jährlich Zehntausende Mexikaner von den US-Einwanderungsbehörden angeworben, um den Arbeitskräftebedarf der Agrarproduzenten zu befriedigen. Heute sind die etwa 13 Mio. chicanos (dazu kommen noch schätzungsweise 5 Mio. "illegale") nach den Farbigen die zweitgrößte ethische Minderheit in den USA und vor allem im Südwesten wird teilweise mehr Spanisch als Englisch gesprochen. Seit der "contract labour act" seitens der US-Regierung auf Druck der Gewerkschaften nicht mehr erneuert und den braceros (Gastarbeitern) die Einreise untersagt wurde, versuchen viele Mexikaner, illegal über die Grenze zu gelangen. In der Hoffnung, für einen für US-Verhältnisse lächerlichen Lohn auf einer Plantage oder Großfarm schwarzarbeiten zu können, durchwaten sie den Río Grande und versuchen, den Grenzzaun zu überqueren. Von den mit Hunden und Nachtsichtgeräten ausgerüsteten US-border-patrols werden sie "wetbacks" genannt, von den Mexikanern selbst mojados (was beides soviel wie "Nasse" bedeutet). Dann gibt es die Schlepper, polleros oder coyotes genannt, die für ein paar hundert Dollar versprechen ihre pollos (Hühnchen) über die Grenze zu bringen. Allein in El Paso werden jeden Monat Tausende geschnappt und gleich wieder zurückgeschickt. Trotzdem gelingt es jährlich über einer Million Mexikanern, in den USA unterzutauchen.

Gegenseitige Stereotypen
Die Menschen Mexikos fühlen sich von den USA häufig gedemütigt, und der Vergleich mit den Vereinigten Staaten reizt viele Mexikaner zu emotionsgeladenen patriotischen Äußerungen: Bei sportlichen Wettkämpfen gegen US-Sportler strengen sich Mexikaner besonders an und erhalten lautstarke Unterstützung des Publikums. Als Ausländer wird man manchmal despektierlich mit gringo angesprochen, doch wenn man diesen "Vorwurf" verneinen und sogar "soy aleman" ("Ich bin Deutscher") entgegnen kann, erhält man meist eine sehr positive Reaktion.
Das Verhältnis der Mexikaner zu den Vereinigten Staaten ist sehr vielfältig, es ist vor allem äußerst ambivalent und schwankt zwischen Ablehnung und Bewunderung. Viele (nicht nur junge) Mexikaner verherrlichen die USA, vor allem ihre "Kulturleistungen" wie Hollywood-Filme, Soap Operas, Hamburger, Coca Cola, den Musikkanal MTV, den Kinokabelsender HBO und die 24-Stunden-News-Show von CNN - eben die Symbole der kulturellen Hegemonie der USA.

Das Mexikobild vieler US-Amerikaner ist geprägt von den Klischees in den USA produzierter Filme: Stellvertretend für die südlichen Nachbarn treten hierin auf der sicherlich sympathische, doch zuweilen hinterlistige Speedy Gonzalez und der schnauzbärtige, sombrerotragende kleine Ganove aus den Westernfilmen, der den edlen US-Helden zwar ständig über´s Ohr hauen will, am Ende aber doch stirbt. Handelt es sich um neue Filme, so erscheint nicht selten ein Kellner, der den reichen Gast aus Oklahoma beim Bezahlen seiner Getränkerechnung um ein paar Pesos übervorteilen möchte. In den Nachrichtensendungen werden in schöner Regelmäßigkeit Bilder von den illegalen Grenzgängern (und von ihrer Verhaftung) gezeigt.

Der verlorene Krieg gegen die USA im 19. Jahrhundert
Noch immer schwer im Magen liegt vielen Mexikanern der verlorene Krieg gegen die USA Mitte des 19. Jahrhunderts. In diesen Jahren fügten die US-Truppen Mexiko Niederlagen und Verluste zu, die noch heute schmerzen. Was genau war geschehen?
Nach der Annexion von Texas durch die USA 1845 zu ihrem 28. Bundesstaat entzündete sich ein Jahr später daran erneut ein König. General Antonio López de Santa Anna war der Oberbefehlshaber der mexikanischen Truppen, die jedoch nach erbitterten Kämpfen unterlagen. Ende September fiel México City. Selbst die zu guter Letzt in die Schlacht geworfenen junge Kadetten von Schloss Chapultepec vermochten die Niederlage nicht abzuwenden. Die erfolglosen Kämpfer wurden von der mexikanischen Staatsführung posthutum zu niños heroes erklärt und fortan jährlich landesweit patriotisch gefeiert.

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