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Wer Mexiko bereist - egal ob in einer Studienreisegruppe oder individuell per Rucksack, egal ob drei Wochen oder drei Monate lang, egal ob durch Reiseführer gut vorbereitet oder völlig uninformiert -, wird sich nach wenigen Tagen, vielleicht bereits nach wenigen Minuten nach der Ankunft eine ganze Reihe von Frage stellen:

Ist es angemessen, meine mexikanischen Bekannten genauso zu begrüßen (mit einem klassischen "abrazo", quasi eine herzliche Umarmung), wie die Männer es in der Bar untereinander bzw. die Frauen es in der Öffentlichkeit tun?

Warum führt der Mann seine Ehefrau wie eine Gefangene mit festem Griff über die Straße? Warum sind die Mexikaner bei vielen Dienstleistungen so überfreundlich, fast unterwürfig? Wie kommt es, dass an Allerseelen die Friedhöfe Mexikos gestopft voll sind von Angehörigen der Verstorbenen, die an den Gräbern singen, essen und Tequila trinken?

Wieso ist das Verhältnis der Mexikaner zu den US-Amerikanern so gespannt, so ambivalent, so emotionsgeladen? Warum sind viele Mexikaner so patriotisch? Warum sind Lotterie, Stier- und Hahnenkampf so populär in Mexiko? Warum fahren die Busse, Züge und Metros kaum jemals pünktlich ab?

Ein Reiseführer, der die touristischen Orte Mexikos beschreibt und illustriert, wird in der Regel kaum solche Fragen behandeln. Dann wird sich ein Mexikobesucher mit diesen offenen Fragen allein gelassen fühlen, insbesondere, wenn er feststellt, dass die in der Heimat bewährten Formen der Verwertung von Informationen versagen und die herkömmlichen Erklärungssysteme nicht mehr funktionieren.

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