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Vor 1910 gehörten
98 % des Bodens Großgrundbesitzern und der Kirche. Nach der Revolution
wurde durch Agrarreformgesetze Ackerland an landlose Campesinos und Peones
verteilt, und zwar als kollektiver Gemeindebesitz (Ejido).
Obwohl die Agrarpolitik
der Industrialisierung untergeordnet wurde, ist Mexiko ein Agrarland geblieben.
Die Landwirtschaft bildet die Lebensgrundlage für ca. die Hälfte
der Bevölkerung. Und obwohl fast 50 % der Gesamtfläche Mexikos
landwirtschaftlich nutzbar sind, ist nicht einmal die Selbstversorgung
mit Grundnahrungsmittel (Mais, Weizen, Bohnen) gewährleistet. Zur
Sicherstellung der Inlandsversorgung muss Mexiko Milliarden von USD für
den Nahrungsmittelimport aufbringen. Ursachen sind die Anwendung veralteter
Bewirtschaftungsmethoden und Technologien, häufig schlechte Bodenqualität,
unzureichende Bewässerung, mangelnde Infrastruktur und Lagerung sowie
die starke Besitzsplittung und die zunehmende Abwanderung der Landbevölkerung
in die Städte.
Jahrzehntelange Bodenreformen und Gegenreformen konnten die Situation
der meisten mexikanischen Campesinos nicht verbessern. Während ein
paar tausend Großbetriebe über mehr als die Hälfte der
gesamten Betriebsfläche verfügen, stehen ca. 51 % der Betriebe
mit Acker- und Weideflächen von bis zu 5 ha nur 3,5 % der bewirtschafteten
Gesamtfläche zur Verfügung. Gleichzeitig stieg die Zahl der
besitzlosen abhängigen Landarbeiter und der unterbeschäftigten,
außerhalb der Erntezeiten arbeitslosen Tagelöhner aufgrund
der heterogenen Agrarstruktur deutlich an (über 50 & der landwirtschaftlichen
Arbeitskräfte).
Bei der Einführung des Anbaus von hochwertigen Weizenkulturen und
anderen spezialisierten Saatgütern (Grüne Revolution) aus den
USA waren die Klein- und Kleinstbauern von vornherein ausgeschlossen,
weil ihnen für die notwendige kapitalintensive Bewirtschaftung (Düngemittel,
Insektizide, Pestizide, regelmäßige Bewässerung) die nötigen
Mittel fehlen.
Die Mehrheit der Campesinos besitzt nur sehr kleine Parzellen Land. Die
Böden sind steinig, nährstoffarm und von Erosion bedroht. Die
Campesinos bearbeiten sie mit traditionellen Geräten und Regenfeldbau
(temporal). Die umfangreiche Gewährung von Krediten durch das staatliche
Kreditinstitut "Banrural" und die Nahrungsmittelgesellschaft
CONASUPO, die landesweit die Versorgung mit Grundnahrungsmitteln regelt
und den Campesinos niedrige Garantiepreise für ihre Erzeugnisse sichert,
sollen den Aufbau von leistungsfähigen Klein- und Mittelbetrieben
fördern. Hier werden die Grundnahrungsmittel (ferner Kartoffel und
Hülsenfrüchte) erzeugt. Diese Kredite haben bisher jedoch oft
nur zu neuen Abhängigkeiten der Campesinos geführt (Bodenverpfändung).
Die Großgrundbesitzer dagegen arbeiten kapitalintensiv und rationell
mit modernen Maschinen auf planmäßig bewässerten Flächen
(rieg0). Sie erzeugen überwiegend (zu ca. 80 %) die für den
Export bestimmten Agrarprodukte Kaffee, Baumwolle, Zucker, Tomaten, Obst,
Gemüse, Tabak.
Dabei wird zunehmend auf US amerikanisches Kapital zurückgegriffen,
das in die Erstverarbeitung von Agrarprodukten und den Ausbau der Transport-
und Vermarktungseinrichtungen investiert wird und die Ausrichtung auf
den nordamerikanischen Markt verstärkt.
Die Hauptanbaugebiete der Agrarproduktion liegen in der südlichen
Hochebene, an den südlichen Randgebirgen des Hochlands sowie in den
Küstengebieten am Pazifik und am Golf von Mexiko.
www.omex.de
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