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NAFTA ...folgt.
Wir zur Zeit aus dem Spanischen übersetzt.
Folgender
Artikel stammt von Matices,
der Zeitschrift zu Lateinamerika, Spanien und Portugal
die über das vollständige Copyright verfügt. Autor: Federico
Foders
ALCA
Eigenständige Liberalisierungsinitiative oder Süderweiterung
der NAFTA?
Die weltwirtschaftlichen
Globalisierungstendenzen der letzten Jahre sind an Lateinamerika nicht
spurlos vorbeigegangen. Nun steht der nächste Schritt bevor: Bis
2005 soll eine panamerikanische Freihandelszone entstehen, die den Waren
und Diensten aus Lateinamerika einen besseren Zugang zum nordamerikanischen
Markt verschaffen könnte. Doch: Welche Chancen und Risiken sind damit
für Lateinamerika verbunden? Und: Welchen Nutzen könnten die
USA und die EU daraus ziehen?
Seit Dezember 1994
verhandeln 34 Staaten, die Mitglieder der Organización de Estados
Americanos (OEA oder OAS) sind, über eine Freihandelszone, die sich
von Alaska bis Feuerland erstrecken soll. In der OEA sind alle lateinamerikanischen
Staaten außer Kuba organisiert; als nichtlateinamerikanische Staaten
zählen Kanada und die Vereinigten Staaten dazu. Die Freihandelszone
ALCA (Area de Libre Comercio de las Américas) zielt darauf ab,
die bestehenden Hemmnisse für den Waren-, Dienstleistungs- und Kapitalverkehr
graduell (über einen längeren Zeitraum also) abzuschaffen, um
die wirtschaftliche Verflechtung der OEA-Mitgliedstaaten untereinander
zu verstärken. Mit Hemmnissen sind sowohl tarifäre (Zölle)
als auch nichttarifäre Barrieren (z.B. Quoten) gemeint, das heißt,
alle außenwirtschafspolitischen Maßnahmen, die sich potenziell
beschränkend auf die Exporte und Importe von Waren und Dienstleistungen
sowie auf den Kapitalverkehr auswirken. Drei Grundsätze bestimmen
die Verhandlungen: Erstens soll die neue Freihandelszone mit den Ordnungsprinzipien
des Welthandels, die von der Welthandelsorganisation (WTO) propagiert
werden, kompatibel sein. Zweitens wird es keine à la carte-Option
für einzelne Länder geben. Das heißt: Alle OEA-Mitgliedsländer
müssen an allen Verhandlungsabschnitten teilnehmen. Und drittens
werden bereits existierende regionale Integrationsinitiativen (u.a. Comunidad
Andina, MERCOSUR, CARICOM und NAFTA) von der neuen Freihandelszone nicht
berührt.
Ähnlich wie bei multilateralen Verhandlungen im Rahmen der WTO sind
die ALCA-Verhandlungsgruppen nach einzelnen Themen sortiert. Daneben arbeiten
drei Sonderausschüsse, die sich mit der Zivilgesellschaft, den kleineren
Volkswirtschaften der Region und dem E-Commerce befassen. Die zehn Verhandlungsgruppen
widmen sich den folgenden Themen: Marktzugang, Investitionen, Dienstleistungen,
öffentliches Auftragswesen, Landwirtschaft, geistige Eigentumsrechte,
Subventionen, Antidumping-Maßnahmen, Ursprungsregeln und Ausgleichszölle
(Antidumping-Maßnahmen, Ursprungsregeln und Ausgleichszölle
werden in einer Gruppe behandelt) sowie Wettbewerbspolitik. Die bisherigen
Verhandlungen sind bis Februar 2001 in Miami geführt worden. Seit
März 2001 werden sie in Panama City fortgeführt, und sie sollen
ab März 2003 bis zu ihrem Abschluss, der für Januar 2005 vorgesehen
ist, in Ciudad de México abgehalten werden. Die Verhandlungen werden
zum Teil unter wechselnder Präsidentschaft geführt; ab November
2002 ist bis zu ihrem Abschluss - in der entscheidenden Phase also - eine
Ko-Präsidentschaft Brasiliens und der Vereinigten Staaten geplant.
Der zur Zeit geltende Zeitplan geht davon aus, dass der ALCA-Vertrag noch
im Jahr 2005 von allen OEA-Mitgliedstaaten gezeichnet und von den Parlamenten
der 34 Staaten ratifiziert wird, damit er spätestens im Dezember
2005 in Kraft treten kann.
ALCA unterscheidet sich zum Teil wesentlich vom MERCOSUR. Im Hinblick
auf den Handel verpflichten sich die Mitgliedsländer der Freihandelszone
ALCA dazu, die tarifären und nichttarifären Hemmnisse ausschließlich
für den Handel untereinander abzubauen. Dies entspricht dem Abschluss
von bilateralen Verträgen zwischen den 34 Mitgliedsländern.
Die Öffnungspolitik hat wie bei NAFTA auf den Handel
mit Drittländern jedoch nur wenig Einfluss. Gegenüber Drittländern
können die ALCA-Mitgliedstaaten ihre jeweiligen Zölle und nichttarifären
Schranken aufrechterhalten, etwa so, wie sie vor der ALCA-Gründung
waren, oder von der jeweiligen Regierung (z.B. einseitig oder als Teil
von Vereinbarungen mit Drittländern) neu festgelegt werden. Analoges
gilt auch für den Kapitalverkehr. In der Zollunion (oder dem gemeinsamen
Markt) MERCOSUR wird hingegen wie in der Europäischen Union
der Handel unter den Mitgliedsländern liberalisiert, während
gegenüber Drittländern ein gemeinsamer Außenzoll erhoben
wird. Bestimmend für den tatsächlichen Liberalisierungsgrad
der Freihandelszone ALCA wird die endgültige Definition der Ursprungsregeln
für den Handel zwischen den Mitgliedsländern sein, über
die gegenwärtig noch verhandelt wird. Mit Hilfe dieser Regeln lässt
sich das Ursprungsland einer Ware feststellen; bei Exportwaren, die zum
Teil aus importierten Komponenten bestehen, spielen sie eine zentrale
Rolle.
Welche Vorteile könnte ALCA für Lateinamerika haben?
Während die in Lateinamerika bestehenden regionalen Integrationsinitiativen
überwiegend den jeweiligen Mitgliedsländern Chancen bieten,
ihren Handel auszuweiten, würden durch eine panamerikanische Freihandelszone
alle 34 OEA-Länder in den Genuss der noch zu vereinbarenden Handelspräferenzen
kommen. Vor allem der freiere Zugang zu den Märkten der USA und Kanadas
wäre für viele Länder sehr zu begrüßen. Aber
auch der intraregionale Handel würde von der Errichtung einer kontinentalen
Freihandelszone profitieren. Die Öffnung der Gütermärkte
in relativ fortgeschrittenen Ländern wie Brasilien, Mexiko und Argentinien
für die Exporte der kleineren und mittleren Staaten würde helfen,
die noch verbleibenden Reste der über mehrere Dekaden verfolgten
isolationistischen Politik (Importsubstitution) abzubauen und die Länder
für einen intensiveren Warenaustausch untereinander zu gewinnen.
Dies könnte eine wichtige Etappe der Integration Lateinamerikas in
die Weltwirtschaft werden. Viel dringender als bisher würden Umstrukturierungen
fällig, welche die lokalen Unternehmen in die Lage versetzen, dem
Wettbewerbsdruck und den Marktkräften in den USA und in Kanada standzuhalten.
Für die Verbraucher der 34 Länder würde eine Zunahme des
intraregionalen Handels ein breiteres Angebot an Waren und Diensten zu
günstigeren Preisen bedeuten. Möglicherweise könnte eine
Intensivierung des Handels letztlich die lateinamerikanischen Staaten
dazu bewegen, eine aktivere Rolle in der WTO und in anderen internationalen
Organisationen zu übernehmen, um mehr Einfluss auf die Gestaltung
der internationalen Rahmenbedingungen zu nehmen.
Aus weltwirtschaftlicher Sicht würde ALCA jedoch zu mehr Diskriminierung
im Welthandel führen, da jede neue Freihandelszone Präferenzen
erzeugt, die nur für die teilnehmenden Länder Gültigkeit
haben. Drittländer werden ausgeschlossen und dabei zwangsläufig
benachteiligt. Eine weitere Segmentierung des Welthandels wäre die
Folge. Um derartige Nachteile zu vermeiden, sollten die Mitgliedstaaten
der OEA ihre Handelspolitik gegenüber Drittländern weiter liberalisieren.
Dies wäre unter anderem deshalb sinnvoll, weil mehrere lateinamerikanische
Staaten auch Handelsbeziehungen zur Europäischen Union und anderen
Teilen der Welt (Asien) unterhalten, die nach dem In-Kraft-Treten der
geplanten Freihandelszone in Gefahr geraten könnten. Im Grunde geht
es für die einzelnen OEA-Länder darum, zwischen den Vorteilen
einer ALCA-Mitgliedschaft und den Kosten des Abseitsstehens abzuwägen.
Mehr Handel und Kapitalverkehr in der Region würden früher oder
später die Frage nach dem Sinn einer Währungsunion mit den Vereinigten
Staaten aufwerfen. In den letzten Jahren haben sich Ecuador und El Salvador
wie früher bereits Panama für die Abschaffung
ihrer nationalen Währungen und die Einführung des US-Dollars
entschieden. Auch in anderen Ländern der Region wird gegenwärtig
die vollständige Dollarisierung als eine ernst zu nehmende währungspolitische
Option diskutiert. Eine einheitliche Währung hätte wie
im Falle des Euro für die EU-Länder den Vorteil, dass
sie den intraregionalen Handel nicht behindern würde. Im Gegenteil,
sie würde starke Ausschläge der Handelsbilanzen, wie sie heute
in den Ländern mit überbewerteten bzw. unterbewerteten Währungen
an der Tagesordnung sind, weitgehend verhindern. Allein die Produktivität
und die Skalenerträge (und nicht die Geld- und Wechselkurspolitik)
würden die Richtung und Zusammensetzung des intraregionalen Handels
mit Gütern der Verarbeitenden Industrie bestimmen. Vor dem Hintergrund
der jüngsten wirtschaftspolitischen Entwicklung in Argentinien könnte
dieses Land im Falle einer Währungsunion allerdings zum Außenseiter
werden, sollte es in Zukunft den Peso an den Euro anbinden, wie es der
Absicht Wirtschaftsminister Cavallos zu entsprechen scheint.
Werden beide Vorhaben, eine Freihandelszone und eine Währungsunion
zu bilden, zusammen betrachtet, liegt der Schluss nahe, dass es sich bei
ALCA um die Süderweiterung der NAFTA handeln könnte und dass
diese insbesondere im Interesse der Vereinigten Staaten erfolgen würde.
Dem steht aber entgegen, dass die Bildung einer Währungsunion zur
Zeit noch eher unwahrscheinlich ist, zumal zwei in der Region nicht unbedeutende
Länder, nämlich Brasilien und Kanada, sie nach wie vor vehement
ablehnen. Und als Projekt der reinen Handels- und Kapitalverkehrsliberalisierung
besitzt ALCA durchaus Züge einer eigenständigen Initiative der
OEA-Länder. Unklar bleibt dabei, welche Auswirkungen der Ausschluss
Kubas von der Freihandelszone haben könnte, und ob die lateinamerikanischen
OEA-Länder nicht doch langfristig die Einbeziehung Kubas wünschen.
Nach der Verwirklichung der Freihandelszone dürften für dieses
Land die Kosten des Abseitsstehens erheblich ansteigen; der Druck, sich
von der zentralen Planwirtschaft zu lösen, würde stärker.
ALCA und die EU
Aus der Sicht der EU würde ALCA den Zugang zu den Märkten der
34 Mitgliedsländer für Unternehmen aus den EU-Ländern mit
Niederlassungen in den ALCA-Ländern erleichtern. Deutsche Unternehmen
beispielsweise, die überwiegend in Brasilien und Mexiko vertreten
sind, könnten ihre Produktionsstandorte in der Region nutzen, um
die Märkte der übrigen ALCA-Länder zu erschließen,
sofern die Ursprungsregeln dies zulassen. Der einzige Wermutstropfen für
die EU wäre das Eingeständnis, dass sie es versäumt hat,
vor dem Zustandekommen von ALCA weitere Freihandelszonen mit lateinamerikanischen
Staaten auszuhandeln, etwa mit dem MERCOSUR oder mit der Andengemeinschaft,
und zwar zu ihren eigenen Bedingungen. Obgleich die Teilnahme an neuen
Integrationsinitiativen im ALCA-Vertrag nicht grundsätzlich verboten
ist, mag eine erfolgreiche ALCA die Neigung lateinamerikanischer Länder,
neue Handelsverträge abzuschließen, zunächst abschwächen.
Das Verhalten Mexikos, ein NAFTA-Land, das zugleich Partner eines Freihandelsabkommens
mit der EU ist, spricht freilich dagegen und weist den übrigen lateinamerikanischen
Ländern den Weg. So scheint Chile bereits der nächste Kandidat
für eine simultane Mitgliedschaft in mehreren Integrationsblöcken
zu sein, auch über kontinentale Grenzen hinweg. Mit dem Projekt ALCA
erhält Lateinamerika zu Beginn des 21. Jahrhunderts die Chance, die
regionale Handelspolitik selbst in die Hand zu nehmen und dabei mehr Verhandlungsmacht
bei internationalen Fragen zu erlangen. Da sich die Geschichte selten
wiederholt, gilt es, diese Chance zu ergreifen!
Literaturhinweise
ALCA (www.ftaa-alca.org), offizielle ALCA-Homepage.
Feinberg, Richard E. (1997), Summitry in the Americas: A Progress Report,
Institute for International Economics, Washington, April.
Schott, Jeffrey J. (2001), Prospects for Free Trade in the Americas, Institute
for International Economics, Washington.
SICE/OAS (www.sice.oas.org), offizielle Handelsinformations-Homepage der
OEA/OAS.
www.omex.de
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